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13.02.2012

IFWK-Forum: Die „neuen Süchte“ der Österreicher

Tüchtig oder süchtig?
12 % der Führungskräfte haben Suchtprobleme – IFWK-Forum über die Flucht in die Sucht

Während von der Gesamtbevölkerung „nur“ rund 3 Prozent ein Suchtproblem haben, liegt der Anteil bei Führungskräften bei 12 Prozent. Neben den klassischen stoffgebundenen Süchten wie Alkohol, Medikamente und Drogen, steigt der Anteil der sogenannten „nicht stoffgebundenen Süchte“, wie Arbeits-, Internet-, Kauf-, Sex- und Spielsucht. Das Internationale Forum für Wirtschaftskommunikation (IFWK) hat sich dieser Problematik angenommen und mit Primarius Dr. Roland Mader vom Anton Proksch Institut, Wien, bei einem Vortrags- und Diskussionsabend im Casino Wien über mögliche Auswegszenarien für Betroffene diskutiert.

Die Flucht in die Sucht sei oftmals nicht verwunderlich, denn die Erwartungshaltung an Führungskräfte stieg in den letzten Jahren dramatisch an: Wie der Präsident des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK), Rudolf J. Melzer, einleitend betonte, stehen die Leute an der Spitze heute massiver unter Druck denn je: „Unabhängig von den diversen Herausforderungen müssen wir täglich Energie, Vitalität, Kraft und Ausdauer vermitteln.“

Überstunden nicht ausbezahlen lassen, sondern „Freizeit“ konsumieren
„Vielarbeit ist oft die Voraussetzung für beruflichen Erfolg, der Vielarbeiter ist der Wunschmitarbeiter vieler Arbeitgeber“, skizziert Primarius Roland Mader das durchaus realistische Alltagsbild unserer mitteleuropäischen Leistungsgesellschaft. Um einer drohenden Arbeitssucht vorzubeugen, rät der Psychiater, sich Überstunden und Urlaubstage nicht ausbezahlen zu lassen, sondern sie durch echte Freizeit abzubauen. „Realistische Zielvereinbarungen, gute Teamentwicklung und soziale Unterstützung tragen ebenfalls zur Suchtprävention bei.“

Bei der Spielsucht sind ähnlich wie bei der Sexsucht eher Männer betroffen. Vier von fünf Automatenspielern sind zwischen 18 und 35 Jahre alt, jeder 20. Spieler (außerhalb von Casinos) ist minderjährig. 19 Prozent der Spielsüchtigen widmen sich Sportwetten, Tendenz stark zunehmend, ebenfalls zunehmend ist die Zahl Kartenspiel-Süchtigen.

Kaufsucht: Frauen suchen soziale Identität
Bei der Kaufsucht, „Oniomanie“, ist in den letzten Jahren ebenfalls ein Anstieg zu verzeichnen. Frauen sind im Verhältnis 60 : 40 stärker betroffen als Männer. Die größten Zuwachsraten gibt es ebenfalls bei der eher jüngeren Zielgruppe. Das Phänomen Kaufsucht ist unabhängig von Bildung und Haushaltseinkommen festzustellen. „Frauen kaufen Dinge, die ihre soziale Identität betreffen, sie wollen also über ihr äußeres Erscheinungsbild ihren sozialen Standard und eine entsprechende Gruppenzugehörigkeit betonen. Männer kaufen Dinge, die ihre persönliche Identität betreffen. Also Waren, die Werte, Ansichten, persönliche Geschichte widerspiegeln.“

Neue Therapieformen wären wichtig
Der Wunsch nach Kommunikation und sozialer Zugehörigkeit ist einer der Beweggründe für Internetsucht, aber auch die Befriedigung der Spielsucht sowie das Ausleben sexueller Phantasien. Wie Primarius Roland Mader im Rahmen des IFWK-Forums in Wien hervorhob, ist durch das ständig steigende Angebot mit einer weiteren deutlichen Zunahme von Patienten mit nichtstofflichen Abhängigkeiten zu rechnen. Abhilfe könne nur der rasche Ausbau spezifischer Behandlungsmöglichkeiten sowie die Entwicklung von Methoden, die über klassische Abstinenz-orientierte Therapieformen hinaus reichen, schaffen. Diese Modelle müssen einen mäßigen und kompetenten Umgang mit dem Suchtmedium erlauben.

An der anschließenden regen Diskussion beteiligten sich unter anderem der neue Österreich-Geschäftsführer von Capgemini, Klaus Schmid, TU-Institutsvorstand und Fraunhofer-Österreich-Geschäftsführer Univ.-Prof. Wilfried Sihn, Software AG-Vorstand Walter Weihs, BWT-Aufsichtsratsvorsitzender Leopold Bednar, Univ.-Prof. Julia Wippersberg, Universität Wien, sowie der Hausherr, Casino-Direktor Reinhard Deiring, beeindruckt.

Der Einladung zum 1. IFWK-Forum 2012 in die neu restaurierten Räumlichkeiten des Wiener Casinos folgten weiters die Generalsekretärin der IAA, Raphaela Vallon-Sattler, Womansuccess-Geschäftsführerin Ingrid Kösten, der Wirtschaftsanwalt Herwig Hauser sowie die Psychotherapeutin und Buchautorin Monika Spiegel.

Weitere Informationen: www.api.or.at

Download Pressetext: Tüchtig oder süchtig?

ifwk-mader
Primarius Dr. Roland Mader vom Anton Proksch Institut, Wien


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