Energie Archive » IFWK https://www.ifwk.net/tag/energie/ Internationales Forum für Wirtschaftskommunikation Wed, 02 Jul 2025 07:07:44 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.3 https://www.ifwk.net/wp-content/uploads/2017/12/fb-logo-150x150.jpg Energie Archive » IFWK https://www.ifwk.net/tag/energie/ 32 32 Mit welcher nicht-fossilen Energie fahren wir in die Zukunft? https://www.ifwk.net/internationales-forum-fuer-wirtschaftskommunikation-zu-net-zero-mobilitaet-mit-welcher-nicht-fossilen-energie-fahren-wir-in-die-zukunft/ Wed, 30 Apr 2025 09:31:36 +0000 https://www.ifwk.net/?p=2083 Praktiker, Wissenschaftler und Medienleute diskutierten im Österreichischen Journalisten Club über Relevanz und Praxistauglichkeit kohlenstoffneutraler Antriebssysteme

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Praktiker, Wissenschaftler und Medienleute diskutierten im Österreichischen Journalisten Club über Relevanz und Praxistauglichkeit kohlenstoffneutraler Antriebssysteme

Wien, 29. April 2025, IFWK. – Im Vorfeld des 46. Internationalen Wiener Motorensymposiums, welches am 15. und 16. Mai in der Wiener Hofburg stattfinden wird, lud der Gründer des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK), Rudolf J. Melzer, Top-Manager aus der Fahrzeugindustrie, Entwickler, praktische Anwender, den Veranstalter des Symposiums, TU-Professor Bernhard Geringer, sowie Journalisten und Kommunikations-leute zu einer Diskussion rund um Antriebssysteme mit nicht-fossilen Energieträgern und ihre Praxistauglichkeit in den Österreichischen Journalisten Club (ÖJC) ein. Fazit: „Um den anthropogen mitverursachten Treibhausanstieg in Griff zu bekommen und aus fossilen Energien aussteigen zu können, braucht es nicht eine, sondern alle technisch möglichen Lösungen.“ (Geringer)

v.l. Alexander Decker, Klaus Schmid, Markus Schermann, Gabriela Maria Straka, Christoph Bichler, Karl Huber, Bernhard Geringer, Rudolf J. Melzer, Timo Völker ©Melzer PR/Peroutka

„Wir müssen die Dinge von Anfang an zu Ende denken. Es geht darum, wo kommt die Energie her, wie muss die Infrastruktur dazu aussehen und wie die entsprechenden Transportmittel. Das muss zusammenpassen“, verwies Markus Schermann, General Manager der BRP-Rotax Vienna GmbH, darauf, dass die aktuell laufenden Transformationen nicht als Bedrohung, sondern als Chance gesehen werden sollen. Das kanadisch-österreichische Unternehmen liefert Antriebssysteme für Sportflugzeuge ebenso wie für Powersportgeräte wie z.B. Ski-Doos, Karts oder Quads: „Wir von BRP-Rotax sind auf alle Szenarien vorbereitet, wir können alle Technologien bedienen, ob alternative Kraftstoffe, Brennstoffzelle oder rein batterieelektrisch. Wichtig für uns wäre, dass von der Gesetzgebung verlässliche Ziele gesetzt werden, bis wann welche technologischen Standards erreicht werden müssen. Denn nur mit langfristiger Planungssicherheit kann das Vertrauen der Wirtschaft wiederhergestellt werden.“

Im Nutzfahrzeugbereich geht man davon aus, dass sich je nach Einsatzgebiet durchaus Wasserstoff-Verbrennungsmotoren, aber kurzfristig vor allem elektrische Antriebe durchsetzen werden. „Wir realisieren derzeit mit den Handelsketten die Transformation in CO2 neutrale Logistiklösungen.“ Christoph Bichler, CEO von MOPRO + CO Kühllogistik, befindet sich seit Jahren in der Erprobung elektrisch angetriebene Nutzfahrzeuge für die Lebensmittellogistik und verfolgt das ambitionierte Ziel, bis 2030 die Eigenflotte seiner Unternehmen auf Elektromobilität umzustellen: „Wir transportieren bereits seit Anfang 2024 in Wien und nun auch in ganz Österreich CO2-neutral Lebensmittel für unsere Partner. Unsere Mission wird kompromisslos weiterverfolgt“, so Bichler.

Bereits seit längerer Zeit nützen unter anderem Logistiker, die schwerpunktmäßig für den Lebensmittelhandel unterwegs sind, die Tatsache, dass sich der Kohlenstoff-Ausstoß auch mit Treibstoffen aus hydrierten Pflanzenölen stark reduzieren lässt. Werner Eichinger von Energie Direct verwies im Rahmen des IFWK-Talks darauf, dass diese sogenannten HVO-Dieselkraftstoffe ein Naturprodukt aus nachwachsenden Rohstoffen und ungiftig sind und auch von Seiten der Politik durchaus mehr Beachtung verdient hätten.

Planungssicherheit für Europas Industrie und Handel
Bernhard Geringer
, der bereits seit Anfang 2002 als Professor an der TU-Wien mit Bio-Kraftstoffen experimentierte, stellte klar, dass Europa das Thema Lithium-Ionen Batterietechnik und damit den Durchbruch der Elektroantriebe völlig unterschätzt habe und dass es dringend verlässliche Regelungen in Europa brauche, um der Industrie, aber auch dem Handel Planungssicherheit zu geben: „Es braucht nicht nur eine, sondern alle technisch möglichen Lösungen, um die Defossilisierung voranzutreiben und die Mobilität so rasch wie möglich kohlenstoffneutral zu machen.“

Beim diesjährigen Internationalen Wiener Motorensymposium werden übrigens nicht nur alle relevanten Energieträger, sondern im Prinzip alle Bereiche der Mobilität vom Auto über die Fliegerei bis zu Motorsport, Nutzfahrzeugen, Schifffahrt und Zweirad beleuchtet: 15. / 16. Mai, Hofburg ( https://wiener-motorensymposium.at/programm ).

Europas Diversität beflügelt
Mit den Worten „wir fahren zwar langsam, aber die Energie ist schnell weg“ traf der Entwicklungschef von CNH Industrial, Karl Huber, den Nagel auf den Kopf, was die Herausforderung im Bereich Arbeitsmaschinen betrifft. Aber man habe bereits Anfang der 2000er-Jahre begonnen, die hydrostatischen durch elektrische Antriebe zu ersetzen und heute ist Europa weltweit führend in der Entwicklung nachhaltig angetriebener Landmaschinen: „Eine unserer großen Stärken in Europa ist die Diversität und der Ideenreichtum. Das beflügelt uns und führt zu sehr effizienten Lösungen“, zeigte sich der junge Ingenieur optimistisch.

Auch der angesehene Motorjournalist, Timo Völker, Die Presse, stellte internationale Vergleiche an, sieht aber in Europa eher Schwierigkeiten: China und die USA seien deutlich einheitlicher strukturiert und einfacher zu regeln als das im diversen Europa möglich ist: „Bei uns in Europa reicht zum Beispiel die Akzeptanz von E-Fahrzeugen bei den Neuzulassungen von um ein Prozent in Kroatien bis 80 oder 90 Prozent in den Niederlanden und in Norwegen.“

Intelligentes Energiemanagement
Alexander Decker
, Leiter Smart Charging der VERBUND Energy4Business GmbH, betonte: „Ohne Mobilitätswende keine Energiewende und der Ausbau flächendeckender Ladeinfrastruktur ist entscheidend für den Erfolg der Elektromobilität. Wir bieten All-in-One-Ladeinfrastrukturlösungen für Unternehmen, die Immobilienwirtschaft, Hotellerie, Gastro und den Retailbereich, um den Einstieg in die Elektromobilität zu erleichtern. Damit unterstützen wir unsere Kunden auf dem Weg zur emissionsfreien Mobilität und verknüpfen die Energie- mit der Mobilitätswende. Und die Mobilitätswende kann nur erfolgreich sein, wenn die relevanten Akteure in Politik und Wirtschaft an einem Strang ziehen. Denn nur gemeinsam können wir die Grundlagen für eine nachhaltige Mobilität schaffen, die mit intelligentem Energiemanagement auf die Integration erneuerbarer Energien setzt.“

Transformation in allen Bereichen
Der Vizepräsident des IFWK und Moderator der Diskussion, Klaus Schmid, hat bereits in den 90er-Jahren im BMW-Konzern die Transformation der Antriebssysteme live miterlebt und beschäftigt sich bis heute mit der aktiven Umsetzung von Veränderungs- und Entwicklungsprozessen in den operativen Bereichen von Unternehmen, und ist ein anerkannter Experte für Führung und Kommunikation in Unternehmen. Nach Antworten auf seine Frage „Welchen Beitrag können wir als europäische Wirtschaft leisten und unsere Position am Weltmarkt stärken, um den Wohlstand unserer Bevölkerung abzusichern?“ suchten im Publikum unter anderem der Eigentümer des Automobilzulieferers Pollmann International, Robert Pollmann, deepsearch-Gründer und CEO Roland Fleischhacker, die CFO der APA – Austria Presseagentur Doris Pokorny, Walter Böhme, Vorstand im Österreichischen Verein für Kraftfahrzeugtechnik, der langjährige Chef von Fraunhofer in Österreich, TU-Professor Wilfried Sihn, Andrea Pfennigbauer von der SAG New Technologies GmbH, Renate Okermüller vom Motor Presse Club Austria, Martin Huber von bp/Castrol Austria sowie Marte Fjelland von RHI Magnesita, Robert Zenz von der Hypo Tirol, Johannes Keschl, Stihl Österreich und ÖJC-Vorstandsmitglied Gabriela Maria Straka, die im Namen des Österreichischen Journalisten Clubs die Begrüßung vornahm.

Hier ein Video über die Veranstaltung vom freien Journalisten Alexander Hackl:

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Energietransformation braucht bessere Kommunikation https://www.ifwk.net/energietransformation-braucht-bessere-kommunikation/ Thu, 13 Mar 2025 08:33:21 +0000 https://www.ifwk.net/?p=1986 Politik und Beamtenschaft verstehen technische Zusammenhänge oft nicht; Europa muss in der Energieversorgung rasch autark werden

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Politik und Beamtenschaft verstehen technische Zusammenhänge oft nicht
Europa muss in der Energieversorgung rasch autark werden

Dass zur Umsetzung von Elektromobilität und der Einbindung alternativer Stromhersteller wie Photovoltaik- oder Windparks europaweit enorme Investitionen in Infrastruktur und Speichermöglichkeiten notwendig sind, ist der technischen Fachwelt schon seit vielen Jahren klar. Bei den dafür notwendigen politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen hapert es aber nach wie vor: Wie in einer Enquete, zu der der Gründer des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK), Rudolf J. Melzer, anlässlich des 15-jährigen Bestandsjubiläums dieser unabhängigen Wissens- und Dialogplattform einlud, klargestellt wurde, fehlt es in den gesetzgebenden Körperschaften zum Teil an Fachexpertise, die Kommunikation zwischen Politik und Wirtschaft muss intensiviert und verbessert werden!

Der Investitionsbedarf in die Energie-Infrastruktur wird für Österreich aktuell auf rund 160 Milliarden, in Deutschland auf rund 1,6 Billionen Euro geschätzt. Soweit so klar. Was wie und wann finanziert und umgesetzt wird, steht allerdings nach wie vor auf wackeligen Beinen. Aber: „Sobald die Politik das Thema ernsthaft unterstützt, geht auch etwas weiter“, berichtet Siegfried Nagl, ehemaliger Energie-Sonderbeauftragter der WKO, über seine Erfahrungen bei der Erstellung des „Masterplans Energie für Österreich“. Dafür müssten die entsprechenden Körperschaften ausreichend Fachpersonal haben und der Dialog gefördert werden. Seiner Einschätzung nach dürfte der Geothermie vor allem in den Städten künftig ein höherer Stellenwert zukommen. Damit die Industrie die notwendigen langfristigen Investitionen tätigen könne, sei zum Beispiel die Berechenbarkeit von Förderungen notwendig, appellierte er an die neue Bundesregierung.

Dass es gar nicht immer um Förderungen, sondern vor allem um klare und verlässliche Regelungen geht, verortete auch Michael Sponring, Leiter des Bereiches Power & Utilities bei PwC Österreich: „Die Energiewende wird gelingen. Was es dafür braucht, sind vernünftige Rahmenbedingungen, die möglichst technologieoffen formuliert werden müssen. Förderungen mit der Gießkanne in einem rundum sorglosen Paket zu verteilen ist hier nicht zielführend und wird den Wirtschaftsstandort nicht stärken. Eines der wichtigsten Instrumente für eine erfolgreiche Energiewende sind günstige Finanzierungsmöglichkeiten, die das Mammut-Investitionsprogramm erst möglich machen.“

Bezüglich der Umsetzung der Energiewende in der Industrie müsse man auf´s Tempo drücken, meinte der Geschäftsführer der VERBUND Energy4Business GmbH, Martin Wagner: „Starten statt Warten! Die Zeit für Taten ist jetzt! Das Regierungsprogramm bietet vielversprechende Ansätze für eine zukunftssichere und leistbare Energieversorgung. Es ist entscheidend, dass wir die geplanten energiepolitischen Gesetzesvorhaben, wie die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und das längst überfällige Elektrizitätswirtschaftsgesetz, schnell umsetzen. Diese Schritte sind unerlässlich, um die Dekarbonisierung und Elektrifizierung, insbesondere in der energieintensiven Industrie, rasch und planungssicher voranzutreiben.“

Industrie kann bis zu 20 Prozent Energiekosten sparen – Energie ein Asset
Die Planungssicherheit für Unternehmen ist für Gabriela Maria Straka, Chefredakteurin bei MANZ, Vorstandsmitglied bei respACT, Österreichischer Wirtschaftsrat für nachhaltige Entwicklung, und Österreichs Innovatorin der UN Weltklimakonferenz, ebenfalls ein großes Anliegen; die Rechts- und Planungssicherheit für alle Unternehmen gilt für sie als Leitmaxime für die Omnibus-Regulierung, und die erforderliche Kommunikation: „Wir brauchen eine authentisch ehrliche und klare Kommunikation, um alle Menschen in Österreich mitzunehmen!“

Mit ihrem Unternehmen nista.io hilft CEO Anna Pölzl Industriebtrieben, bis zu 20 Prozent ihrer Energiekosten einzusparen. Sie sieht durch Investitionen in die Energietransformation keinen Wohlstandsverlust: „Sie müssen sich überlegen, was es unseren nachfolgenden Generationen bzw. die Volkswirtschaft kosten würde, wenn wir die notwendigen Investitionen heute nicht tätigen. Energiekosten spielten früher eher eine untergeordnete Rolle, heute muss in einem Unternehmen Energie wie ein Asset gemanagt werden!“

Energie des Sommers für den Winter – Wende im Mindset
Angesichts der aktuellen geopolitischen Entwicklungen in und um Europa, stimmte der Gründer des IFWK und Kommunikationsexperte, Rudolf J. Melzer, mit den Expertinnen und Experten am Panel überein, dass es sehr wichtig sei, Europa in Sachen Energieversorgung so autark wie möglich zu machen. Bei Wasserkraft sei Österreich mit seinen Speicherkraftwerken seit jeher gut aufgestellt. Biogas beziehungsweise Biomethan, aber auch Wasserstoff wären geeignet, um die Energie des Sommers für den Winter zu speichern. Dafür müsste aber in größeren Dimensionen gedacht, die Konkurrenzfähigkeit dieser Energiequellen gestärkt und die Kommunikation zwischen Industrie, Wirtschaft bzw. Landwirtschaft, Energieversorgern und Politik aktiviert werden: „Die Energiewende ist nicht nur bei Strom und Gas notwendig, sondern auch im Mindset.“ (Melzer)

Beim Networking im PwC-Tower mit Sekt von Peter Szigeti diskutierten des Weiteren: APA CFO Doris Pokorny, Patrizia Valentini, Head of Mobilize bei Renault Österreich, deepsearch-Gründer Roland Fleischhacker, Walter Böhme vom Österreichischen Verband für Kraftfahrzeugtechnik (ÖVK), Sigmar Mielacher von Hamburger Containerboard, Marte Fjelland (RHI Magnesita), PwC-Partner Dieter Harreiter, Markus Schermann (BRP-Rotax), der neue Geschäftsführer von SAP Österreich, Andreas J. Wagner, Klaus Schmid (Amberon Consulting), Stefan Zierlinger (BE Technology GmbH), Stefanie Koch (Kleine Zeitung), Robert Haider (VIG) „Co-Pilotin“ Beatrix Czipetits, sowie die Anwälte Wilhelm Milchrahm und Martin Stadlmann.

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Energie und Mobilität: Wir müssen Energiefrage lösen, nicht die Antriebsfrage https://www.ifwk.net/energie-und-mobilitaet-wir-muessen-energiefrage-loesen-nicht-die-antriebsfrage/ Wed, 19 Oct 2022 11:09:02 +0000 https://www.ifwk.net/?p=1524 Internationales Forum für Wirtschaftskommunikation (IFWK) über die Auswirkungen der Energiekrise auf das Bedürfnis nach Mobilität und die Frage, ob kollaborative Logistik möglich ist Nicht zuletzt...

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Internationales Forum für Wirtschaftskommunikation (IFWK) über die Auswirkungen der Energiekrise auf das Bedürfnis nach Mobilität und die Frage, ob kollaborative Logistik möglich ist

Nicht zuletzt die aktuelle Energiedebatte wirft die Frage auf, wie das Mobilitätsbedürfnis der Menschen in Zukunft intelligent und ressourcenschonend befriedigt werden kann. Elektroautos, wie wir sie jetzt kennen, werden allein schon aufgrund ihres großen Energiebedarfs in der Herstellung nicht die alleinige Lösung sein. Sind es Sharing-Modelle für Individual- und Güterverkehr und kann diesbezüglich eine Verhaltensänderung in der Industrie angestoßen werden? Der Gründer des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK), Rudolf J. Melzer, lud dieser Tage zu einem Talk zum Thema „Energie und Mobilität“. Conclusio: Es kommt schlussendlich nicht auf die Antriebsart an, sondern auf die Qualität der verwendeten Energie.

„Am Ende des Tages geht es darum, unser Mobilitätsbedürfnis zu befriedigen und dafür braucht es Energie“, konstatierte Klaus Schmid, Vorstand des Bundesverbandes für E-Mobility. „Die Energiekrise zeigt klar, dass sich die Mobilität der Zukunft und auch die Investitionsentscheidungen in diesem Bereich massiv ändern müssen, um auch künftig dieses Bedürfnis befriedigen zu können.“ Doch wie kann eine derartige Transformation nachhaltig gelingen, ohne dass weiter fossile Energien verschwendet werden? Das diskutierte Schmid gemeinsam mit Automobilherstellern, Journalisten und Wissenschaftlern im Rahmen des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation.

„Das Thema ‚Mobility as a Service‘ steht für den großen Umbruch in der Automobilbranche. Das alte Modell hat ausgedient und muss neu gedacht werden. Das Mobilitätsbedürfnis, egal ob individuelle Mobilität oder Mobilität der Güter, muss im Zentrum der Diskussion stehen und dann können auch neue, gut funktionierende Geschäftsmodelle entstehen“, sagte Sandra Stein, Leiterin der Forschungskoordination im Center für nachhaltige Produkte und Logistik bei Fraunhofer Austria und Leiterin des Executive MBA-Programms Mobility Transformation an der TU Wien: „Der Zugang zu Mobilität muss für jeden genauso leicht machbar sein wie 1-Klick-Käufe in Onlineshops. Das heißt aber nicht, dass ich dafür ein eigenes Fahrzeug besitzen muss. Der Trend geht jedenfalls hin zum Sharing, auch bei der Güter-Mobilität.“

Kollaborative Logistik

„Das Physical Internet geht davon aus, dass Transportfahrzeuge kollaborativ genutzt werden können. Die Nachfrage im System reguliert sich nach dem Angebot: Das heißt, es werden dann zum Beispiel auf einem Autotransporter Fahrzeuge verschiedener Hersteller transportiert – je nach Nachfrage und Ort. Hier gibt es große organisatorische Einsparungsmöglichkeiten“, so Stein weiter.

Problem der Energiekette muss gelöst werden

Sharing-Modelle funktionieren zwar in vielerlei Hinsicht gut, würden aber vor allem in wenig besiedelten Gebieten an ihre Grenzen stoßen, gab Bernhard Geringer, Leiter des Institutes für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik der TU Wien, zu bedenken: „Wenn die Nachfrage gering ist, wird sich das Modell nicht durchsetzen und Investition sind hier nicht attraktiv.“ Das Sharing-Geschäft ist ein schwieriges, bestätigte auch Patrizia Ilda Valentini, Business Development Manager EV & New Mobility/Brand Manager Mobilize bei Renault: „Wir versuchen, mit künstlicher Intelligenz vorherzusagen, wo Nachfrage entsteht, damit die Fahrzeuge intelligent platziert werden können. Es vergehen Jahre, bis sich das wieder rentiert und man braucht dementsprechend gute Vorfinanzierungen. Banken investieren leider nicht gerne in diese Bereiche.“ Und diese Finanzierbarkeit wird auch eine Schwierigkeit bei Shared-Mobility im Güterverkehr erschweren. Valentini: „Wer finanziert das? Sharing klingt zwar gut, aber jemand muss das Fahrzeug auch besitzen und warten. Wer übernimmt das Risiko? Der Staat oder ein Investor?“

„Das Hauptthema bei der Energiediskussion ist, wie wir von der fossilen Energie wegkommen“, thematisiert Bernhard Geringer. „Nach wie vor werden über 80 Prozent der Primärenergie aus fossilen Quellen gewonnen. In Österreich sind es auch immer noch fast 70 Prozent. Wie können wir das ändern? Zum einen durch Effizienzsteigerung und zum anderen durch Lösungsansätze, wie wir ‚grüne‘ Energie optimal nutzen und vor allem speichern können.“ Autarkie sei bei unserem jetzigen Lebensstandard bedeutend schwieriger zu erreichen als vor 100 Jahren. Es werde auch weiterhin Energieimporte brauchen und hier werde die Nachhaltigkeit eine große Herausforderung darstellen. „Bei Fahrzeugen hilft die Diskussion um Antriebssysteme überhaupt nicht. Egal ob Wasserstoff, Kohle oder Strom – die Frage muss sein, wo kommt die Energie her und sind es nachhaltige Quellen. Das Problem der Energiekette muss gelöst werden.“

Elektroautos unreflektiert auf den Markt zu werfen, ist ein Fehler

Patrizia Ilda Valentini betonte, dass im Recycling großes Potential liege und hier auch in Österreich noch viel getan werden müsse: „Wir müssen uns einschränken, das ist hart, aber anders wird das Problem nicht zu lösen sein. Unsere Industrie ist auf Wachstum ausgelegt und dafür brauchen wir Strom. Wir müssen also auch unser Wirtschaftsdenken umstellen und hinterfragen, welche Ergebnisse für unseren Erfolg entscheidend sind. Die Elektromobilität ist eine Chance zu hinterfragen, wo der Strom herkommt und wie wir diesen wirtschaftlich und sinnvoll einsetzen.“

Elektroautos seien Batterien auf vier Rädern und könnten sehr gut als Speicher genutzt werden, wenn die Netze dafür bereit wären, so Valentini weiter: „Die Technologie ist da, wir brauchen aber die juristischen Rahmenbedingungen, damit wir sie auch auf den Markt bringen dürfen.“ Außerdem müssen die Bürger abgeholt werden beim Thema Speicher und Netzstabilität: „Man kann nicht erwarten, dass die Bürger alle Investitionen tätigen, ohne ihnen zu zeigen, was sie davon haben, wenn sie ihre Autos als Stabilisator für das Netz zur Verfügung stellen.“

Staat in die Pflicht nehmen

Auch Sandra Stein stimmte zu, dass der Staat mehr in die Pflicht genommen werden müsse: „Offensichtlich schafft es die Politik nicht, die richtigen Anreize für ein Umdenken zu setzen, ansonsten würden wir die Pariser Klimaziele fristgerecht erreichen und müssten nicht im schlimmsten Fall 9,3 Milliarden Euro Strafen bezahlen. Eine enorme Summe, die – klug investiert – vorab die Erreichung dieser Ziele sichern könnte.“

Namhafte Gäste

Unter den Gästen der Diskussion in der Chefetage von SAP Österreich waren unter anderem der langjährige AUDI-Vorstand und „Automobilprofessor“, Jürgen Stockmar, Doris Pokorny, CFO der APA – Austria Presse Agentur sowie Geschäftsführerin der Gentics Software GmbH, Roman Oberauer, CEO NTT Ltd. Austria, SAP-CFO Jochen Stecker, Eva Aschauer, Head of ESG bei der TPA Group, Manstein-Verlag-Geschäftsführer Markus Gstöttner, Klemens Eiter, CFO der Porr Gruppe, Roland Fleischhacker, Geschäftsführender Gesellschafter der Deepsearch GmbH, Hermann Obermair, Senior Vice President, Andritz, die Anwälte Wilhelm Milchrahm und Martin Stadlmann, Gregor Breuer, Leiter der Qualitätssicherung bei BMW Motoren in Steyr, Josef Herget, Direktor des Excellence Institutes, Gabriela Straka, Geschäftsleitungsmitglied der Brau Union, Kommunikationsexpertin Waltraud Kaserer sowie Professor Georg Brasseur, Leiter des Instituts für Elektrische Messtechnik und Sensorik an der TU Graz.

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