Journalismus Archive » IFWK http://www.ifwk.net/tag/journalismus/ Internationales Forum für Wirtschaftskommunikation Wed, 11 Sep 2024 09:21:32 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 https://www.ifwk.net/wp-content/uploads/2017/12/fb-logo-150x150.jpg Journalismus Archive » IFWK http://www.ifwk.net/tag/journalismus/ 32 32 Wirtschaftsjournalisten – eine aussterbende Spezies? https://www.ifwk.net/wirtschaftsjournalisten-eine-aussterbende-spezies/ Wed, 11 Sep 2024 09:19:13 +0000 https://www.ifwk.net/?p=1917 IFWK präsentierte erste Auszüge aus ÖAW-Journalismus-Studie, wonach sich Wirtschafts-berichterstattung weg von Faktenorientierung hin zu „interpretativem Journalismus“ wandelt

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IFWK präsentierte erste Auszüge aus ÖAW-Journalismus-Studie, wonach sich Wirtschafts-berichterstattung weg von Faktenorientierung hin zu „interpretativem Journalismus“ wandelt

Wien, 11. Sept. 2024 (IFWK). – Zwar wollen die meisten Leute ihr Erspartes möglichst gewinnbringend anlegen, für wirtschaftliche Zusammenhänge, wie sie von Wirtschaftsjournalisten tagtäglich aufbereitet werden, interessieren sich aber eher weniger Menschen. Wirtschaftswissen sei Mangelware, quer durch alle Alters- und Berufsgruppen, von der Schuldirektorin bis zum Bundeskanzler. So eine der Schlussfolgerungen der Enquete „Wie mächtig ist der Wirtschaftsjournalismus?“ des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK), in deren Rahmen erste Auszüge der Studie „Worlds of Journalism“ der Österreichischen Akademie der Wissenschaften für Österreich, Deutschland und die Schweiz präsentiert wurden.

Laut der soeben fertiggestellten weltweiten Studie „Worlds of Journalism“ prägt in Österreich ein verändertes Verständnis der Bevölkerung die Arbeit der Wirtschaftsjournalistinnen und
-journalisten: „Das Publikum geht weg von der reinen Faktenorientierung und so zeigt sich auch ein Wandel im Wirtschaftsjournalismus vom objektiven Faktenjournalismus hin zu einem interpretativen, aber auf Transparenz bedachten Journalismus“, hob Prof. Josef Seethaler, Abteilungsleiter des Instituts für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), einen zentralen Aspekt hervor. Außerdem nehme die Bekämpfung von Desinformation auch in den Wirtschaftsressorts mittlerweile eine große Rolle ein. Nachgelassen hätten hingegen interventionistische Ansichten, welche aktiv Einfluss auf Öffentlichkeit und Politik ausüben möchten.

Das Thema „Macht von Journalisten“ aus dem Blickwinkel einer Top-Managerin beleuchtete Silvia Kaupa-Götzl, langjährige Vorständin der Österreichischen Postbus AG, davor Prokuristin bei den ÖBB: „Ich habe bei den ÖBB gelernt, dass wichtige Entscheidungen gemeinsam mit der Kommunikations- und PR-Abteilung transparent und nachvollziehbar aufbereitet werden müssen“, bestätigt sie das in der Studie erwähnte verstärkte Verlangen der Bevölkerung nach Transparenz im Journalismus. Schlimm finde sie allerdings, wenn Geheiminformationen aus Sitzungen plötzlich in Medien auftauchen oder Verhandlungspartner wie z.B. ein Betriebsrat mit einem „Gang zu den Medien“ drohten.

Naturgemäß sehen das die Vertreterinnen und Vertreter der Medien etwas anders: „Meine Aufgabe als Journalistin ist es, hinter die Kulissen zu schauen und Dinge rauszukriegen“, betonte die Doyenne des österreichischen Wirtschaftsjournalismus, Hedi Schneid.

Warum wurde der Kanzler nie zur Verantwortung gezogen?
Ihre Kollegin aus der Wirtschaftsredaktion der „Presse“, Madlen Stottmeyer, konstatierte, dass sie sowie ihre Kolleginnen und Kollegen des kritischen Finanz- und Wirtschaftsjournalismus einer „aussterbenden Berufsgruppe“ angehörten. Anhand von Beispielen wie Wirecard, Signa oder dem „STRABAG/Deripaska-Deal“ skizzierte die vielfach ausgezeichnete Redakteurin, was Journalismus leisten kann, beziehungsweise könnte: In Sachen Signa verwies sie darauf, dass Olaf Scholz damals Chef der BaFin war und zuvor Hamburger Bürgermeister, als der Elbtower-Deal unterzeichnet wurde: „Da stellt sich die Frage, warum er nie zur Verantwortung gezogen wurde und immer noch Bundeskanzler ist?“

Macht und Ohnmacht der Journalisten
Genau auf dieses Wechselspiel zwischen Macht und Ohnmacht eines Journalisten bzw. einer Journalistin, ging Hans-Peter Siebenhaar ein: Als langjähriger Redakteur des Handelsblattes, Konzernsprecher der OMV und nun in der Chefredaktion von Focus Money tätig, sagte er: „Die Eigenwahrnehmung ist laut der vorliegenden Studie, dass sie gar nicht so viel Macht haben. Aber natürlich haben sie Macht und die ist umso größer, je börsennotierter ein Unternehmen ist.“ – Schließlich werde der Aktienkurs als Gradmesser eines Unternehmens durch Nachrichten positiv oder negativ beeinflusst und stehe somit auch laufend im Fokus der Unternehmens-kommunikation. „Umso kleiner so ein börsennotiertes Unternehmen von seiner Markt-kapitalisierung her ist, umso anfälliger ist es natürlich auch gegenüber der Berichterstattung und der Analyse, die von den Medien kommt.“

Warum keine Börsenberichterstattung in ZiB2?
Zur Situation in Österreich meinte er, dass es traurig sei, dass das Wirtschaftsblatt eingestellt wurde: „Eine Volkswirtschaft im Herzen Europas verdient eine eigene Wirtschaftszeitung liberaler Art, die nah an den Unternehmen ist. Ich bedauere auch, dass der ORF als einer der ganz wenigen öffentlichen Rundfunkanstalten keine Börsenberichterstattung am Abend, also z.B. in der ansonsten journalistisch gut gemachten ZiB2 hat. Ökonomisch autarker Journalismus wäre gut für die Öffentlichkeit, das dient auch zur Ökonomisierung von Denken und Handeln.“

Auf die im Vergleich zu den Redaktionen viel stärker besetzten Kommunikationsabteilungen der Unternehmen ging Waltraud Kaserer ein. Sie arbeitete nicht nur im Bankenbereich und direkt an der Börse, sondern auch als Journalistin beim „Standard“, der „WELT am SONNTAG“ und baute die Seite von „manger-magazin.de“ sowie „ftd.de“ auf, sondern war auch als Kommunikationschefin in der Politik sowie bei börsennotierten Unternehmen wie der Lenzing AG tätig. „Für das Ungleichgewicht zwischen großen Kommunikationsabteilungen und Redaktionen, das Wirtschaftsjournalisten beklagen, sind die vielen Social-Media-Kanäle verantwortlich. Die Unternehmen stehen dort einem riesigen Bereich an unregulierten Absendern gegenüber, der rund um die Uhr ohne Gatekeeper, wie es die Journalisten in klassischen Medien sind, posten. Und wenn ein Shitstorm erst losgetreten ist, ist es wahnsinnig schwierig, ihn wieder einzufangen.“ Die klassischen Medien haben zu vielen Zielgruppen ihren Zugang und ihre Deutungshoheit verloren, die Macht der Wirtschaftsjournalisten ist zwar nach wie vor groß, aber nur mehr in einem Teil der Medienkonsumenten.

It´s the economy, stupid!
Auf ein Paradoxon wies Prof. Josef Herget, Direktor des Excellence Instituts, in der Diskussion hin: „Mantra-artig wird nach jeder Wahl, etwa gerade auch nach den deutschen Wahlen in Sachsen und Thüringen, Bill Clinton zitiert „It´s the economy, stupid!“, dennoch kommt der Verknüpfung von Politik und ihren ökonomischen Konsequenzen für das Alltagsleben in der Berichterstattung  kaum eine relevante Bedeutung zu. Madlen Stottmeyer stützte dieses Argument, indem sie darauf hinwies, dass etwa Politiker-Interviews hauptsächlich von Innenpolitik-Redakteuren durchgeführt werden und die ökonomischen Aspekte schlicht unter den Tisch fallen würden.

Finanz-Bildung ein zentrales Thema
Einen zentralen Raum der Enquete im Wiener Raiffeisenhaus, zu der IFWK-Gründer Rudolf J. Melzer Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medien einlud, nahm die in weiten Teilen der Bevölkerung fehlende Finanzbildung ein: „16-jährige Lehrlinge haben oft keine Ahnung, wie sich die auf ihrem Gehaltszettel ausgewiesenen Sozialversicherungsbeiträge zusammensetzen, von Themen wie Zinsen oder Zinsdeckel gar nicht zu reden“, gab Karl Koczurek, Landesdirektor der Österreichischen Beamtenversicherung (ÖBV) zu bedenken. An der von sheconomy-Herausgeberin Michaela Ernst geleiteten Diskussion nahmen unter anderem Teil: Die Finanz-Chefin der APA – Austria Presseagentur sowie Geschäftsführerin der Gentics Software GmbH, Doris Pokorny, Susanna Janovsky, Head of Corporate Communications bei DORDA, Klaus Schmid, Geschäftsführer von Amberon Consulting sowie des Bundesverbandes Elektromobilität (BVe), der Anwalt Michael Borsky und der CFO von Hamburger Containerboard, Sigmar Mielacher.

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Regeln zur EU-Taxonomie: Permanentes Upskilling auch bei Journalisten nötig https://www.ifwk.net/regeln-zur-eu-taxonomie-permanentes-upskilling-auch-bei-journalisten-noetig/ Wed, 18 May 2022 09:08:17 +0000 http://www.ifwk.net/?p=1471 Internationales Forum für Wirtschaftskommunikation (IFWK) über den undurchsichtigen Dschungel an Nachhaltigkeitsstandards für Anleger und Kommunikatoren und wie sich die Wirtschaft in der Umsetzung der Taxonomie-Regeln schlägt

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Internationales Forum für Wirtschaftskommunikation (IFWK) über den undurchsichtigen Dschungel an Nachhaltigkeitsstandards für Anleger und Kommunikatoren und wie sich die Wirtschaft in der Umsetzung der Taxonomie-Regeln schlägt

Die EU-Taxonomie legt fest, welche Aktivitäten eines Unternehmens als nachhaltig gelten. Firmen, die diesen Standards entsprechen, haben Anspruch auf mehr Förderungen seitens der EU. Diese Nachhaltigkeitsberichterstattung ist allerdings sehr aufwendig und verunsichert vor allem den Mittelstand. Und nicht nur das: Kaum jemand durchblickt den Paragraphen-Dschungel und selbst Finanzjournalisten scheuen das Thema. Dabei sei es sehr wichtig, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit, auch im Hinblick auf den Vorwurf von „Green Washing“ kritisch auseinanderzusetzen. Nicht nur für Nachhaltigkeitsbeauftragte, sondern auch für künftige Mitarbeiter, Kunden und Anleger – so der Tenor einer Expertenrunde des Internationalen Forums für Wirtschafskommunikation (IFWK) unter dem Titel „Sind plötzlich alle Investments grün?“ an der Wiener Börse.

„Der Kapitalmarkt bietet einen enormen Hebel. Damit dieser für die Transformation in eine nachhaltigere Zukunft genutzt werden kann, muss er weiterentwickelt werden. Volkswirtschaften mit entwickelten Kapitalmärkten werden schneller transformieren und sie werden stärker wachsen,“ sagte Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse, bei seiner Begrüßung.

ESG ist ein Mannschaftssport

Heidrun Kopp vom Institut für nachhaltiges Finanzwesen und Leiterin des Weiterbildungsprogramms zu Sustainable Finance Management an der FHWien der WKW, sieht die Problematik eher in der mangelnden faktischen Umsetzung der ESG-Standards in den Unternehmen. Das Kürzel ESG steht für nachprüfbare Kriterien bei der Geldanlage in den Dimensionen „Environment“, „Social“ und „Governance“. Kopp: „Bisher war das Nachhaltigkeitsthema oftmals als Beiwerk der Marketingabteilung im Unternehmen verortet. Langsam wird aber klar, dass die ESG-Maßnahmen durch die Taxonomie-Verordnungen alle Bereiche des Unternehmens betreffen und es zu wenig fachlichen Hintergrund bei den Mitarbeitern gibt. Denn ESG ist ein Mannschaftssport und es fehlt den Unternehmen die ganzheitliche Sicht.“ Die Schwierigkeit bestehe darin, dass das Thema durch die Verordnung so komplex geworden ist, dass es kaum Bereiche im Unternehmen gibt, die sich nicht damit beschäftigen müssen und man habe den Eindruck, das Thema aktualisiere sich wöchentlich.

Gefährliches Halbwissen im Journalismus

In genau dieser Komplexität verortet IFWK-Gründer Rudolf J. Melzer ein großes Problem in der Berichterstattung und letztlich in der Information, die bei den Konsumenten ankommt: „Wenn sich schon Experten wöchentlich auf den neuesten Stand der EU-Verordnung bringen müssen, um die Komplexität des Themas erfassen zu können, wie sollen das Journalisten schaffen, die dafür im Tagesgeschäft absolut keine Zeit haben? Besteht hier nicht die Gefahr gefährlichen Halbwissens, das an die Medienkonsumenten weitergegeben wird?“ Heidrun Kopp bestätigt die Schwierigkeit in der Kommunikation: „Es ist natürlich ein Mindestmaß an Wissen notwendig und dafür braucht es ein permanentes Upskilling auch bei den Journalisten. Die Konsumenten werden aber auch immer kritischer was das Thema ‚Green Washing‘ betrifft und tolerieren hier kaum noch Marketingfloskeln.“

Das bestätigt auch Nachhaltigkeits-, Finanz- und Kommunikationsexpertin Waltraud Kaserer: „Mainstream- und Publikumsmedien werden nie über komplizierte Inhalte berichten. Es ist auch für Fachjournalisten eine große Herausforderung, die vielen neuen Themen zur Nachhaltigkeit laufend zu beobachten und es für die Konsumenten so herunterzubrechen, dass es verständlich ist. Mit den Initiativen zur Klassifikation von guten und schlechten Offsets, den Science Based Targets, den Carbon Disclosure-Kriterien, der EU-Taxonomie und vielen anderen internationalen Initiativen bilden sich erst jetzt von Investoren und NGOs akzeptierte Standards heraus.“

Taxonomie soll „Green Washing“ stoppen

„Das Ziel der EU-Taxonomie ist es ja, Finanzströme in eine nachhaltige Richtung zu bringen“, erklärte Heidrun Kopp weiter. „Und sie hat das gleiche Thema, das der CSR in den letzten Jahren immer wieder vorgeworfen wurde – nämlich, dass die Maßnahmen nicht messbar sind. Und diese Messbarkeit greift jetzt durch die Taxonomie und setzt auch dem ‚Green Washing‘ ein Ende.“ Sogenannte ‚grüne Anleihen‘, wie sie in den Banken-Portfolios der letzten Jahre aufgetaucht sind, seien nämlich vielfach überzeichnet. Durch die Taxonomie zeige sich jetzt, dass die Portfolios nicht so nachhaltig ausgestattet sind, wie angenommen.

Große Lücken im Bereich der Datenerhebung ortet Katharina Schönauer, Senior Manager Sustainability Services bei KPMG: „Die bereits jetzt berichtspflichtigen Unternehmen in Österreich sind oft schon sehr gut aufgestellt, was die CSRD-Richtlinie betrifft, die weiteren 2000 Unternehmen, die voraussichtlich ab 2025 ihre Daten offenlegen müssen, noch nicht. Es fehlen viele Daten, und die Zeit ist sehr knapp.“

Mit der Taxonomie sei ‚Green Washing‘ kaum mehr möglich, sind sich die Diskutanten einig. Außerdem seien die Konsumenten mittlerweile so kritisch geworden, dass es ein zu großes Risiko für die Unternehmen sei, so Kaserer: „Ein Shitstorm auf Social Media ist schnell entfacht. Deshalb beschäftigen sich neben den Vorständen und Kommunikationsabteilungen der Unternehmen auch die Rechtsabteilungen sehr intensiv mit den ESG-Standards.“

Enkeltauglich statt nachhaltig

So sehr sich große Unternehmen schon mit dem Thema der ESG-Standards auseinandersetzen, so wenig präsent ist es beim Großteil der Konsumenten noch, sagt Christian Prantner, Konsumentenschützer für Finanzdienstleistungen bei der AK Wien: „Retailkunden und Kleinanleger haben zwar ein großes Interesse an nachhaltigen Finanzprodukten, in bei der tatsächlichen Kaufentscheidung wird Nachhaltigkeit aber nach wie vor oft abgewählt. Rendite ist die Nummer eins und dafür wird schlussendlich das ertragreichste Produkt gewählt – nachhaltig kommt in der Prioritätenliste erst danach.“

Für Konsumenten sei es momentan noch nicht greifbar, was der Begriff „ESG“ wirklich bedeutet. Es müsse gerade bei nachhaltigen Investmentfonds – sie sind das grüne Hauptprodukt bei Retail-Kunden – höhere Schwellwerte für mehr Glaubwürdigkeit geben: „Rein theoretisch müsste ein Fonds nur ein Prozent Nachhaltigkeit nachweisen, um das Label ‚grün‘ zu bekommen. In der Praxis sind häufig gerade einmal 51 Prozent der in einem Investmentfonds inkludierte Werte tatsächlich nachhaltig – und 49 Prozent sind es nicht. Wir sollten von zumindest 75 Prozent an ESG-konformen Werten in einem Fonds ausgehen und diese Schwellwerte sollten verbindlich sein für die Marktakteure, um a priori dem Greenwashing-Verdacht entgegenzutreten.“

Daraufhin stellte die Moderatorin, Brutkasten-Chefredakteurin Sara Grasel, die provokante Frage: „Heißt das also im übertragenen Sinn, dass ein bisschen Kinderarbeit schon ok ist?“

Georg Lemmerer, Senior Director bei der Schelhammer Capital Bank AG: „Das ist natürlich nicht ok. Aber wir sehen schon, dass ‚Nachhaltigkeit‘ als Begriff so inflationär verwendet wird, dass die Menschen schon eine Aversion dagegen entwickeln. Ich spreche lieber von ‚enkeltauglich‘. Ich befürchte, dass durch die Komplexität der Taxonomie-Verordnung viele Kunden zu nachhaltigen Produkten sagen werden: ‚Nein, lieber nicht!‘ – Wir können dieses Thema nicht auf die Bildung der Kunden abwälzen.“

Die Diskutanten sind sich einig, dass es enorm wichtig ist, sich mit Nachhaltigkeit auf allen Ebenen auseinanderzusetzen. Das „Wie?“ ist allerdings noch ausbaufähig. Lemmerer: „Wir laufen Gefahr, uns in Europa durch die Taxonomie unseren eigenen Wettbewerbsnachteil weltweit selbst zu verordnen. Es wäre besser das Thema Nachhaltigkeit in allen Facetten ehrlich und realitätsnahe, anstatt komplex und bürokratisch anzugehen.“

Den exklusiven Kreis der Diskussionsrunde komplettierten unter anderem: Gabriele Schallegger, Managing Director Board & Paper bei Mayr-Melnhof, Isabella Mader, Vorstand von Excellence Research, APA-CFO sowie Gentics-Geschäftsführerin Doris Pokorny, die Leiterin der Unternehmenskommunikation und CSR Brau Union, Gabriela Straka, sowie Martin Fenyoe, Head of Sales bei Capgemini in Österreich.

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E-Euro notwendig, um Zuckerberg und China einzubremsen? https://www.ifwk.net/e-euro-notwendig-um-zuckerberg-und-china-einzubremsen/ Wed, 17 Mar 2021 10:18:01 +0000 http://www.ifwk.net/?p=1172 Durch den rasanten Aufstieg von Kryptowährungen und die Bestrebungen von Facebook & Co, eine eigene Währung zu etablieren, wird der Ruf nach dem digitalen Euro immer lauter

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Durch den rasanten Aufstieg von Kryptowährungen und die Bestrebungen von Facebook & Co, eine eigene Währung zu etablieren, wird der Ruf nach dem digitalen Euro immer lauter

Bisher waren die Grenzen in der Finanzwelt klar abgesteckt: Auf der einen Seite standen die unberechenbaren digitalen Kryptowährungen wie Bitcoin usw. und auf der anderen Seite die traditionellen Währungen und Anlageformen der Banken. Nun aber befinde man sich an einer Weichenstellung, weil Bitcoin erwachsen wird und sich die Zentralbanken mit der digitalen Konkurrenz auseinandersetzen müssen. So lautete eine der Schlussfolgerungen eines Expertenpanels, das dieser Tage auf Einladung des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK) über „Unser Bargeld zwischen EZB und Blockchain“ diskutierte; mit einer Live-Übertragung aus dem Pressezentrum der Austria Presse Agentur.


Unter dem Titel „Euro goes Crypto“ diskutierten Experten aus Medien, Wirtschaft und Wissenschaft die aktuellen Entwicklungen am Kryptowährungsmarkt und die Bestrebungen der Europäischen Zentralbank (EZB), eine europaweite digitale Währung auf den Markt zu bringen. Nikolaus Jilch, Experte für Kryptowährungen beim Thinktank Agenda Austria: „Nicht zuletzt durch den gewaltigen Digitalisierungsschub, den Corona ausgelöst hat, hat es eine Preisexplosion der Bitcoin gegeben. Die Währung steckt jetzt mitten in der Pubertät und braucht Hilfe beim Erwachsenwerden. Banken müssen jetzt umdenken, auf den Zug aufspringen und Krypto-Produkte anbieten.“ Christoph Strnadl, Global Vice President Innovation & Architecture bei der Software AG ergänzt: „Warum sollte man auch noch klassische Transaktionen über eine Bank machen, wo normale Auslandsüberweisungen bis zu 10 Tage dauern und mich sieben Prozent Spesen kosten? Die Leistung von Bitcoin ist es, ohne Wartezeit Geldgeschäfte abzuwickeln und das auf eine nachvollziehbare Art und Weise.“ Für die EZB sei es nun entscheidend, den digitalen Euro voranzutreiben, um am internationalen Markt mithalten zu können. In den USA und auch in Asien sei man hier schon viel weiter.

Banken sind besorgt
Madlen Stottmeyer, Wirtschaftsredakteurin bei der Tageszeitung „Die Presse“ hält viele finanzpolitische Fragen noch für ungeklärt. Banken würden sich sorgen, dass die Bürger in Zukunft womöglich ein direktes Konto bei der EZB hätten. Wenn die Kunden der Geschäftsbanken Geld von ihren Bankkonten auf die neuen EZB-Konten überweisen, sinken die Guthaben der Geschäftsbanken auf ihren eigenen EZB-Konten. „Eine Finanzierungslücke entsteht.“ Wolle die EZB dies verhindern, müsse sie den Banken das fehlende Geld leihen. „Die EZB erhält mehr Macht.“

Anonymität und Datensicherheit gewährleistet?
Viele Privatanleger und Firmen haben die Befürchtung, dass bei digitalen Währungen die Daten- und IT-Sicherheit auf der Strecke bleibt. Christoph Strnadl winkt ab: „Technisch ist alles lösbar und die Implementierung wäre heute schon möglich, ohne die großen Softwarehäuser zu überfordern. Und auch die völlige Anonymität lässt sich zu 100 Prozent umsetzen.“ Dem pflichtet auch Nikolaus Jilch bei: „Der E-Euro hat idealerweise alle Funktionen von Bargeld bis hin zu totaler Anonymität.“ Laut den Experten sei der große Vorteil einer guten digitalen Währung eben diese Anonymität. Madlen Stottmeyer: „Immer, wenn ich mich klassisch ausweisen muss, weiß mein Gegenüber automatisch mehr als nötig, zum Beispiel mein Geburtsdatum, Ausstellungsort des Personalausweises usw. Beim E-Euro heißt Anonymität ja nicht, dass der andere gar nichts von mir weiß, er bekommt aber nur die notwendigen Informationen: Beispielsweise, ob ich über 18 Jahre alt bin und ob es sich um Schwarzgeld handelt oder nicht.“

E-Euro: Gute Idee aber für wen?
Die Experten waren sich bei der Diskussion, die von „derbrutkasten.com“-Chefredakteurin Sara
Grasel moderiert wurde, aber schnell einig, dass eine entscheidende Frage, die sich die EZB vor
Einführung des E-Euros stellen müsse, sei, wer ihn überhaupt nutzen darf. Bei einer digitalen
Währung ist es unmöglich eine Grenze zu anderen Staaten zu ziehen. Wie kann man kontrollieren,
wer sie nutzen darf? – Nur Menschen, die in Europa wohnen? Was ist dann mit den Briten zum
Beispiel oder Personen, die schon einmal hier gelebt haben. Nikolaus Jilch: „Das wird deshalb
spannend, weil digital alles blitzschnell geht. Gerade Länder, deren Währung sehr instabil ist, lechzen nach dem E-Euro. Nigeria ist nicht umsonst das größte Bitcoin-Land der Welt, weil deren Zentralbank eben nur Müll liefert.“ Gelöst könne das nur über einen örtlich begrenzten E-Euro werden oder über eine Lotterie, wie sie in Asien gemacht wird. Es brauche jedenfalls kreative Ideen seitens der EZB. Fakt ist, dass wir in einer Welt leben, in der immer mehr Zahlungen online getätigt und abgewickelt werden. Ganze Wertschöpfungsketten werden digitalisiert. Künftig werden wohl auch Autos und andere Maschinen Transaktionen ganz automatisch durchführen. Und hier werden Giganten wie Facebook oder Amazon eine große Rolle spielen. „Genau da liegt die wahre Notwendigkeit des EEuros“, betont Christoph Strnadl. „Die EZB muss die digitale Währung schnellstmöglich auf den Markt bringen, ansonsten werden wir früher oder später mit Kryptowährungen von Facebook oder Amazon bezahlen müssen. Und das ist keine gute Entwicklung: Diese Konzerne haben jetzt schon eine enorme Markmacht. Mit einer eigenen Währung würde man dann nur mehr bei ihnen einkaufen können.“

Nachhaltigkeit und Strombedarf
Digitale Währungen hätten aber auch die Chance, weltweit etwas Gutes zu tun, so die Diskutanten abschließend. Die EZB hätte jetzt die Chance, Nachhaltigkeitslücken zu besetzen und sich zu
überlegen, beispielsweise CO2- Zertifikate als Währung einzusetzen. Zum Thema Nachhaltigkeit gab der Gründer des IFWK, Rudolf J. Melzer, aber zu bedenken, dass sich allein seit 2017 der Strombedarf zum Schürfen von Bitcoin mehr als verzehnfacht hat: Er stieg von 6,6 Terawattstunden (2017) auf 67 Terawattstunden, das sind 67 Milliarden KWh bzw. der Jahresstrombedarfes eines Landes wie Norwegen. Um diesen Strom umweltfreundlich, zum Beispiel mit Windenergie herstellen zu können, müssten 67 Millionen Windräder (á 1 Megawatt) aufgestellt werden. In Österreich stehen aktuell 1.307 Windräder.

Unter den Zuhörerinnen und Zuhörern des Livestreams waren unter anderem die CFO der Austria Presseagentur, Doris Pokorny, die schweizerische Kryptoexpertin Yvonne Stucki, Hamburger Containerboard-Geschäftsführer Sigmar Mielacher, Martin Butollo, CEO Commerzbank Austria, Jürgen Horak, Advisor to the Board evoila Group, PwC-Partner Dieter Harreither sowie die IFWK-Vorstandsmitglieder Susanna Janovsky, Engelbert Washietl und Klaus Schmid.

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