Keynote Archive » IFWK http://www.ifwk.net/tag/keynote/ Internationales Forum für Wirtschaftskommunikation Thu, 04 Jul 2024 11:47:02 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 https://www.ifwk.net/wp-content/uploads/2017/12/fb-logo-150x150.jpg Keynote Archive » IFWK http://www.ifwk.net/tag/keynote/ 32 32 Entwarnung bei neuer EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung https://www.ifwk.net/entwarnung-bei-neuer-eu-nachhaltigkeitsberichterstattung/ Thu, 04 Jul 2024 10:38:01 +0000 https://www.ifwk.net/?p=1852 Die „EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung“ (CSRD) sollte bis 6. Juli 2024 in nationales Recht gegossen sein.

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IFWK zeigte pragmatische Wege der Umsetzung sowie Möglichkeiten
der einfacheren Administrierbarkeit auf

Wien, 4. Juli 2024, IFWK. – Die „EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung“ (CSRD) sollte bis 6. Juli 2024 in nationales Recht gegossen sein. Sie schreibt Unternehmen u.a. vor, die Nachhaltigkeitsberichte ab sofort im Lagebericht des jeweiligen Geschäftsberichts zu veröffentlichen, was einen bürokratischen Mehraufwand und zusätzliche Verantwortung für Geschäftsführung, Aufsichtsrat sowie Unternehmenskommunikation bedeutet. Das Internationale Forum für Wirtschaftskommunikation (IFWK) diskutierte Grundlagen von Reporting und Prüfung, Erfahrungen aus einem konkreten Anwendungsfall und geeignete Software-Unterstützung des Reportings.

Marlene Halikias, Partnerin bei Grant Thornton in Österreich, verwies gleich zu Beginn darauf, dass es im Ermessen jedes einzelnen Unternehmens liege, tatsächlich wesentliche Themen zu identifizieren und damit zu definieren, welche Datenpunkte gemessen werden. Sie empfahl, „die Themen in der Wesentlichkeitsanalyse möglichst gering zu halten“.

Diese von den „Europäischen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung“ (ESRS) vorgegebene Wesentlichkeitsanalyse sei eine doppelte, so Halikias im Pressezentrum der APA – Austria Presse Agentur in Wien: „Man sieht sich einerseits finanzielle Wesentlichkeiten an, also welche finanziellen Effekte gibt es? Und man sieht sich andererseits die Auswirkungen einer Produktion oder Dienstleistung auf die Umwelt an; zum Beispiel Grundwasser, Bodenversiegelung oder ähnliches.“

1.200 Datenpunkte im Auge haben
Neu ist, dass all diese Angaben von einem Wirtschaftsprüfer geprüft werden und diese Informationen künftig standardmäßig einem Berichtsformat zugeordnet werden müssen. Hierfür ist aber bereits Software-Unterstützung verfügbar, die automatisiert Daten einspielen und dem „händischen“ Führen von Reportings z.B. in Excel klar überlegen ist, wie Michael Ingerisch, Associate Partner bei IBM Consulting, erläuterte: „Je nach Umsatzgröße müssen Unternehmen bis zu 1.200 Datenpunkte für das Reporting berücksichtigen. Dabei kommen verschiedene Datentypen zum Einsatz. Unsere Software Envizi bietet hier eine effiziente Lösung, indem sie diese Daten strukturiert und somit einen besseren Überblick über das Unternehmen sowie die Grundlage für Innovationen schafft. Die Plattform hat den Vorteil, weit über die Möglichkeiten von herkömmlichen Programmen hinauszugehen und unterstützt Unternehmen dabei, sich den neuen Reporting-Standards anzupassen.“

Richtlinie noch nicht österreichisches Recht
Ingerisch merkt jedoch an, dass die CSRD-Richtlinie bisher noch nicht in österreichisches Recht umgesetzt wurde, weshalb in vielen Management-Etagen gezögert werde, sich technisch auf die neuen Standards vorzubereiten. Trotz dieser Herausforderung betont er, dass Envizi neben dem Fokus auf Reporting auch einen Mehrwert für Unternehmen bietet. „Durch verschiedene Module, wie beispielsweise die Szenarienanalyse, ermöglicht unsere Lösung einerseits die Verbesserung der Nachhaltigkeit aufgrund verschiedener Managementhandlungen und bietet andererseits die Möglichkeit, die eigenen Handlungen im Sinne von Kosteneinsparungen zu bewerten. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, über den reinen Reporting-Aspekt hinauszudenken und die Vorteile der Plattform für das gesamte Unternehmen zu nutzen.“

Einheitliche Plattform wäre wichtig
Einblicke in die Praxis gewährte der Leiter der Nachhaltigkeitsberichterstattung der APA und Vorstandsreferent, Bernhard Sonntag: Vom oft mühsamen Ausfüllen von Fragebögen bis zur Schwierigkeit, dem Thema „Management-Attention“ zu verleihen, gäbe es durchaus auch praktische Vorteile wie zum Beispiel, dass man die CO2-Bilanz einzelner Produkte errechnen könne oder auch eine bessere Basis für Förderanträge und Ausschreibungen zur Verfügung habe. Zur Vereinfachung des alljährlichen „Datensammelns“ wünscht er sich die baldige Realisierung einer einheitlichen EU-Online-Plattform für die Einmeldung der Daten, den sogenannten European Single Access Point (ESAP).

Die in der Geschäftsleitung für die Nachhaltigkeitsberichterstattung Verantwortliche sowie CFO der APA, Doris Pokorny, ergänzte, dass nach ihrer Erfahrung von Unternehmen manchmal der Fehler gemacht werde, eine zu große Anzahl von reportingpflichtigen Themen zu identifizieren: „Die Beschränkung dieser wesentlichen Themen sowie Datenpunkte und KPIs auf eine überschaubare Anzahl ist entscheidend für eine erfolgreiche Implementierung. Es geht bei diesem Reporting zwar um die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen und KPIs, aber es müssen keine Maßnahmen zur Prozessverbesserung unmittelbar ergriffen werden“, stellt sie klar, dass auch bei CSRD nichts so heiß gegessen wie gekocht wird.

Chancen für Unternehmen
Trotz der Herausforderungen bietet die CSRD eine Reihe von Chancen für Unternehmen: Durch die Erfüllung der CSRD-Anforderungen können Unternehmen ihr Image verbessern und die Attraktivität für Investoren, Kunden und Mitarbeiter steigern. Die CSRD hilft zudem, Nachhaltigkeitsrisiken zu identifizieren und zu managen, und fördert die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsaspekten, was zu Innovationen führen kann. Um die Herausforderungen der CSRD zu bewältigen, sollten Unternehmen frühzeitig mit der Umsetzung beginnen und sich bei Bedarf professionelle Unterstützung holen. „Jene, die Herausforderungen von der Pflicht zur Kür machen, gewinnen auch im Business“, ist Isabella Mader, Vorstand von Excellence Research sowie IFWK-Vizepräsidentin, überzeugt. Sie zitierte unter anderem aus ihrem neuesten Buch „Digitalisierung & KI strategisch einsetzen“ über ein Dutzend Compliance-Regularien, die von EU-Unternehmen berücksichtigt werden müssen.

Diskussion rund um Kreislaufwirtschaft
Im Rahmen der Diskussion, die von Gabriela Straka, Vorstandsmitglied bei RespACT, moderiert wurde, kam zum Ausdruck, dass die Entwicklung einer CSR-Strategie eine Grundlage für effektive Kommunikation bildet. Unternehmen sollten messbare Ziele und Kennzahlen für ihre Nachhaltigkeitsleistungen festlegen und regelmäßig über ihre Fortschritte bei der Erreichung ihrer CSR-Ziele auch größer berichten. Der Dialog mit Stakeholdern sei dabei essenziell, ebenso wie die Nutzung geeigneter Kommunikationskanäle, um die Nachhaltigkeitsleistungen der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Gäste aus Wirtschaft und Wissenschaft
Zu weiteren Fragen wie Kreislaufwirtschaft oder branchenspezifischen Benchmarks diskutierten unter anderem aus dem IFWK-Vorstand: ESG-Expertin Waltraud Kaserer sowie Amberon-Geschäftsführer Klaus Schmid; aus der Wirtschaft: NTT Austria CEO Roman Oberauer, der Kommunikationsverantwortliche von DS Smith, Hagen Burkert, Verena Treiber von Mediamarkt, Georg Lemmerer von Schelhammer Capital, Martina Kukulka von Austrian Power Grid (APG), Ludwig Steinbauer, PORR, ÖGNI-Geschäftsführer Peter Engert sowie Ferdinand Schütz und Stefan Neubauer von der Kathrein Privatbank.

Aus dem Bereich der Wissenschaften konnte IFWK-Gründer Rudolf J. Melzer unter anderem begrüßen: Victoria Kaiselgruber, Professorin an der FH Hagenberg, sowie die Autoren des neuen Buches „Strategisches Management der Nachhaltigkeit“ (Springer), Professor Josef Herget und Robert Bodenstein, Präsident der internationalen Consulting-Organisation ICMCI.

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Von der Globalisierung zur Slowbalisierung https://www.ifwk.net/von-der-globalisierung-zur-slowbalisierung/ Wed, 02 Sep 2020 07:46:37 +0000 http://www.ifwk.net/?p=1108 Prof. Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel), prognostiziert einen Rückgang des weltweiten Bruttoinlandsprodukts 2020 um 5 Prozent „Die derzeitige Wirtschaftskrise ist...

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Prof. Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel), prognostiziert einen Rückgang des weltweiten Bruttoinlandsprodukts 2020 um 5 Prozent

„Die derzeitige Wirtschaftskrise ist so brutal, wie keine andere“, sagte Prof. Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel) in der „Pressestunde“ des Internationale Forums für Wirtschaftskommunikation in Wien. Nach der Krise 2008 seien die wirtschaftlichen Auswirkungen durch die Pandemie ein zweiter Schock, der den Trend weg von der Globalisierung hin zur Verlangsamung der Wirtschaft beschleunigt. Der Welthandel erhole sich zwar jetzt schneller als damals, die Globalisierung gehe allerdings aufgrund der verkürzten Wertschöpfungsketten zurück. Weiters empfiehlt Felbermayr ein Umdenken bei den milliardenschweren Hilfspaketen.

„Wir erleben eine Wirtschaftskrise wie keine andere“, leitete Prof. Gabriel Felbermayr seine Keynote bei der Pressestunde des Internationalen Forums für Wirtschafskommunikation (IFWK) ein. „Ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts wurde in Form von Hilfsmaßnahmen bewegt, das ist brutal.“ Jetzt stelle sich die Frage, wie man aus diesen großen Hilfsmaßnahmen wieder rauskommt. „Wir gehen davon aus, dass der Schaden für Österreich – über die Jahre 2020 und 2021 gerechnet – über 45 Mrd. Euro betragen könnte. Auch ein schnelles Hochfahren nach der Krise macht diese Verluste nicht ungeschehen.“ Die Rettungsmaßnahmen in ihrer Gesamtheit machen aber noch ein Vielfaches dessen aus, so der Wirtschaftsexperte: „Da stellt sich die Frage, ob die Verhältnismäßigkeit noch gewährleistet ist. Die Gefahr der Überdosierung muss man ernst nehmen.“

Lasst uns die Inflation nicht abschreiben

Laut Felbermayr können sich die Staaten deshalb so stark verschulden, weil die Anlagen direkt in die Zentralbankbilanzen wandern. Dem „Verbot der direkten Staatsfinanzierung“ zufolge dürfe das eigentlich nicht sein: „Aber so läuft das über den Weg der Banken: Klassisches Gelddrucken in massivem Ausmaß.“ Aber warum wird dadurch die Inflation nicht getrieben? „Weil dieses Spielchen in der derzeitigen Situation alle spielen und dadurch die Wechselkurse nicht so stark beeinflusst werden. Es kommt zu keiner Abwertung, die Importe teurer machen würde. Aber gleichwohl würde ich sagen: Lasst uns die Inflation nicht abschreiben. Diese Spielchen werden nicht ewig funktionieren“, konstatiert der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel).

Welt-BIP fällt um fast 5 Prozent

Die derzeitige Wirtschaftskrise sei deswegen so dramatisch, weil sie diesmal alle Wirtschaftsmärkte weltweit schrumpfen lässt. Im Gegensatz dazu sind nach dem Lehman-Pleite 2008 Schwellen- und Entwicklungsländer gewachsen und China ist fast ungeschoren davongekommen: „Jetzt schrumpfen wirklich alle großen Teile der Weltwirtschaft – im Schnitt beträgt der Rückgang acht Prozent. Das weltweite Bruttoinlandsprodukt wird 2020 um fast fünf Prozentpunkte fallen“, prognostiziert Felbermayr.

China hat am wenigsten Federn gelassen

Zu den großen Verlierern der Krise zählt laut Felbermayr Indien: „Indiens Märkte hätten laut unseren Prognosen vom Herbst 2019 heuer zweistellig wachsen sollen. Durch den Lockdown schrumpfen sie aber weiter und werden sich nur langsam erholen.“ China stünde ohne Krise auch besser da, sei aber nicht so stark betroffen: „China hat statt den ursprünglich prognostizierten sechs Prozent zwar nur rund drei Prozent Wachstum, gewinnt aber dadurch weiterhin dramatisch an relativer Bedeutung.“

Melzer: Hoffnung, dass sich Industrie schneller erholt
„Im Gegensatz zur Lehman-Krise 2008 kommen die Industrieproduktionen jetzt schnell wieder zurück.“ Diese Aussage Felbermayrs stimmt IFWK-Präsident Rudolf J. Melzer positiv: „Bei all den Horrorszenarien, die momentan täglich auf uns hereinprasseln tut es gut, zu hören, dass, wenn die Wirtschaft nur annähernd dem Trend der letzten Wochen folgt, sich die Industrie schneller erholen wird als nach dem letzten Crash. Ich glaube, es wäre fatal, den Optimismus zu verlieren.“

Unsicherheit ist Gift

Auch bezüglich der derzeit steigenden Infektionszahlen beruhigt Prof. Felbermayr. Auf die Frage, ob die Angst vor der zweiten Welle berechtigt wäre, entgegnet er: „Laut Epidemiologen ist die zweite Welle der Erkrankung momentan kleiner als die hohen offiziellen Zahlen vermuten lassen. Diese erklären sich zum Teil durch das Mehr der Testungen.“ Natürlich sei weiterhin Vorsicht geboten, es sei aber noch wichtiger, nicht in Panik zu verfallen, denn „Unsicherheit ist Gift“.

Hochkarätige Diskussion

Unter der Moderation von Trendig-Topics-Chefredakteurin Sara Grasel fand diese „IFWK-Pressestunde“ erstmals sowohl analog als auch digital statt: Während ein kleiner Personenkreis vor Ort bei den Ausführungen von Professor Felbermayr dabei war, konnten Interessierte das Gesagte auch via Zoom von zu Hause aus verfolgen. Der Gründer und Präsident des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation, Rudolf J. Melzer, freute sich über hochkarätige Gäste aus der Wirtschaft wie zum Beispiel Mondi-Finanzchefin Gabriele Schallegger, Capgemini CEO Bernd Bugelnig, der Österreich-Geschäftsführer der deutschen Commerzbank, Martin Butollo, Amrop-Jenewein-Chef Günther Tengel, SAP-Österreich-Geschäftsführer Christoph Kränkl, voestalpine-Vorstand Reinhard Nöbauer, der Geschäftsführer von Stahlbau Unger, Matthias Unger, Wirtschafts-Anwalt Wilhelm Milchrahm, sowie der Industrie-Experte Johannes Riha. Bei Köstlichkeiten von Heidis Exquisit Catering und Sekt von Peter Szigeti diskutierten auch die IFWK-Gründungsmitglieder Isabella Mader (Excellence Institute/Global Peter Drucker Forum), Klaus Schmid (Amberon), Fraunhofer-Austria-Chef Professor Wilfried Sihn sowie die bekannten Wirtschaftsjournalisten Peter Muzik und Engelbert Washietl.

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China ist der Gorilla im Ring https://www.ifwk.net/china-ist-der-gorilla-im-ring/ Sun, 31 May 2020 18:16:21 +0000 http://www.ifwk.net/?p=1092 Erste IFWK-Onlineveranstaltung zu wirtschaftlichen und (kommunikations-)kulturellen Unterschieden zwischen China und Europa Das Internationale Forum für Wirtschaftskommunikation (IFWK) widmete sich in seiner ersten digitalen „Pressestunde“ dem...

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Erste IFWK-Onlineveranstaltung zu wirtschaftlichen und (kommunikations-)kulturellen Unterschieden zwischen China und Europa

Das Internationale Forum für Wirtschaftskommunikation (IFWK) widmete sich in seiner ersten digitalen „Pressestunde“ dem Reich der Mitte, das mehr denn je seinen Einfluss im Westen ausbaut. Journalisten und Experten aus der Wirtschaft diskutierten über die aktuellen geopolitischen Strategien Chinas und welche Vor- und Nachteile sich für Europa und andere Nationen daraus ergeben. Als Keynote-Speaker konnte IFWK-Gründer Rudolf J. Melzer den langjährigen Asienkorrespondenten der Wirtschaftswoche, Matthias Kamp, begrüßen, der aktuell das Asien-Wirtschaftsressorts der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) aufbaut. Für spannende Einblicke am virtuellen Podium sorgten weiters FACC-Chef Robert Machtlinger, Isabella Mader, Vorstand des Think-Tanks Excellence Institute, sowie der CEO der Great Wall Motor Austria Research & Development GmbH, Markus Schermann.

„Kein Land hat mehr Unicorns, also Startups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar, als China“, erläuterte Matthias Kamp einleitend in seiner Keynote bei der ersten digitalen „Presse-stunde“ des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK). Fakt ist auch, dass Chinas Einfluss auf den Westen, nicht zuletzt durch die Corona-Krise, weiter zunimmt. Kamp: „Amerika versinkt derzeit im Chaos, China erkennt diese Chance und will Lücken nützen, während Europa noch immer keine einheitliche Linie aus der Krise gefunden hat. Denn China ist nach mehr als vier Jahrzehnten Reform- und Öffnungspolitik der Gorilla im Ring – auch technologisch.“

Systemischer Rivale der EU

Europa sei in seinen einzelnen Länderstrukturen zu divers und keine Einheit. Für die Europäische Union sei China derzeit nicht mehr ein Partner, sondern ein systemischer Rivale: „China will seinen geopolitischen Einfluss ausbauen, auch in Europa. Länder wie Serbien oder Ungarn binden sich zunehmend enger an Peking, während sie zu Brüssel auf Distanz gehen. China schleicht nicht auf die Weltbühne, sondern erstürmt sie“, so Kamp weiter. Der Journalist empfiehlt Europa, sich nicht vor China zu verschließen, sondern Synergien zu erkennen zu nützen: „Entscheidend ist es jetzt, den Dialog mit China zu suchen.“

Das bestätigt auch Markus Schermann, CEO der Great Wall Motor Austria Research & Development GmbH, der beide Systeme schon seit Jahren beobachtet: „China tritt geschlossen und mit einheitlicher Strategie auf. Es gibt einen Plan, wie die Wirtschaft in Schwung gebracht wird und dieser wird mit einer anderen Entschlossenheit verfolgt als es im Westen der Fall ist.“ Hier spielen die kulturellen Unterschiede eine große Rolle: „In der chinesischen Kultur wird mehr Einsatz und Fleiß an den Tag gelegt, während bei uns mehr darauf geachtet wird, Krisen mit möglichst viel Komfort für alle Beteiligten zu lösen.“ Das sei nicht unbedingt schlecht, allerdings dauere die Problemlösung hier wesentlich länger als in China.

Von China lernen – Zielstrebigkeit und strategisches Denken

Die Experten sind sich einig, dass es für den Westen an der Zeit ist, chinesische Denk- und Handlungsweisen zu analysieren und nicht per se zu verteufeln. Isabella Mader, Vorstand des Excellence Institutes und Executive Advisor des Global Peter Drucker Forums, sieht die wesentlichen Unterschiede im Führungsverständnis der Kulturen: „Wenn es in China jemand an die Spitze schafft, bleibt er dort lange, in der Politik genauso wie in der Wirtschaft. Der Nachteil daran ist, dass sie schlechte Führungskräfte auch nicht so leicht loswerden, wie das in Demokratien der Fall ist. Der Vorteil ist, dass langfristige Visionen in China besser umgesetzt werden können, da die Akteure über Jahrzehnte die gleichen sind.“

Das habe man auch beim Luftfahrttechnologie-Konzern FACC AG gelernt, der seit 2009 mehrheitlich der staatlichen Aviation Industry Corporation of China (AVIC) gehört. CEO Robert Machtlinger: „Wir sind ein globales Unternehmen und konnten von allen Kulturen, mit denen wir arbeiten etwas lernen. Das besondere an der chinesischen Kultur ist die Langfristigkeit und Zielstrebigkeit. Eine Eigenheit die auch sehr gut zur FACC DNA passt. Wir hatten schon vor 30 Jahren disruptive Ideen. Diesen Ansatz verfolgen wir noch heute. Im Gegensatz zu Europa werden Rückschläge toleriert, solange man daraus lernt. Dieses Verständnis macht es möglich, auch langfristig vorauszuplanen und konsequent Ziele zu verfolgen. Die Langfristigkeit ist ein großer Unterschied zum westlichen Startup-Verständnis.“

List – Tugend und Untugend
„Wir alle kennen Beispiele, dass etwa Markenprodukte, Verbrauchsgüter oder patentierte Maschinen in China billig nachgebaut und dann deutlich unter dem üblichen Preis in Europa illegal verkauft werden. Diese ´Überlistung´ westlicher Marktbegleiter, die schon so manchen Original-Hersteller sehr in Bedrängnis gebracht hat, gilt in China als Tugend, in der westlichen Welt natürlich als Untugend“, warnte der Gründer und Präsident des IFWK, Rudolf J. Melzer, Unternehmen davor, sich zu leichtgläubig auf „Deals“ mit Geschäftsleuten aus China einzulassen. Denn die List gelte förmlich als sportliche Disziplin.

Mit Vorsicht genießen: Droht europäischen Unternehmen der Ausverkauf?

Diesbezüglich analysierte Matthias Kamp weiter: „China ist aber in manchen Bereichen auch selbst viel vorsichtiger geworden. Die Politik tritt zum Beispiel mittlerweile auf die Bremse, was die Investitionen im Ausland betrifft.“ Und trotzdem werde der Einfluss Chinas, vor allem bei High Tech Unternehmen, weiter zunehmen. Die Diskutanten sind sich einig, dass Kooperationen nur dann funktionieren können, wenn der Wissens- und Investitionstransfer in beide Richtungen stattfindet. Kamp: „Trotz vorhandener Unzulänglichkeiten hat China in den vergangenen Jahren seinen Markt für Investoren aus dem Ausland kontinuierlich weiter geöffnet.“ Das bestätigt auch Robert Machtlinger: „Die Sorge, die die Bevölkerung nach dem Einstieg der AVIC bei FACC hatte, dass der Technologietransfer nur in eine Richtung laufen würde, konnten wir ausräumen. Der Schutz der Kundendaten steht bei uns an oberster Stelle.“

Unter der Moderation der China-Expertin der Tageszeitung „Die Presse“, Marlies Eder, fand diese  digitale „IFWK-Pressestunde“ erstmals via Zoom statt. Die Diskutanten waren aus München, Ried im Innkreis, Kottingbrunn und Wien über das Conferencetool zugeschaltet. Unter den zahlreichen Gästen im virtuellen Auditorium waren unter anderem: voestalpine-Vorstand Reinhard Nöbauer, die Finanzchefin der Austria Presseagentur, Doris Pokorny, die PR-Managerin von IKEA Österreich, Barbara Riedl, der Geschäftsführer des Markenartikelverbandes, Günter Thumser, der langjährige Chefredakteur des „trend“ sowie des Wirtschaftsblatts, Peter Muzik, Anwalt Wilhelm Milchrahm, Pörner-Chef Rainer Walter, sowie IFWK-Gründungsmitglied und Consultant Josef Anreiter.

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Ankündigung „IFWK-Pressestunde“ mit Dr. Christoph Zulehner am 10. März https://www.ifwk.net/ankuendigung-ifwk-pressestunde-mit-dr-christoph-zulehner-am-10-maerz/ Thu, 20 Feb 2020 09:42:09 +0000 http://www.ifwk.net/?p=1003 „Make the Fake – Warum Erfolg die Täuschung braucht“ – 10. März 2020 Seit mehr als 10 Jahren sind wir nun bekannt dafür, nicht alltägliche...

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„Make the Fake – Warum Erfolg die Täuschung braucht“ – 10. März 2020

Seit mehr als 10 Jahren sind wir nun bekannt dafür, nicht alltägliche Aspekte rund um „Wirtschaft und Kommunikation“ aufzugreifen. Das gilt auch für den Satz „Fake it until you make it“. Er wird oft Hochstaplern zugeschrieben, meint aber etwas ganz Anderes. Der Autor und Strategieexperte Dr. Christoph Zulehner meint dazu: „Der Hochstapler will absahnen, der Faker hat eine Mission.“

Mehr dazu bei einem Abend zum Thema „Make the Fake – Warum Erfolg die Täuschung braucht“

Keynote: Autor und Strategieexperte Dr. Christoph Zulehner

Im Anschluss: „IFWK-Pressestunde“ mit
der Leiterin des Debattenressorts der „Presse“, Anna Maria Wallner,
sowie der Stv. Chefredakteurin der APA, Katharina Schell

Möchten Sie bei der Veranstaltung dabei sein? Bitte melden Sie sich bei uns unter office@ifwk.net bis spätestens 28. Februar 2020

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