künstliche Intelligenz Archive » IFWK https://www.ifwk.net/tag/kuenstliche-intelligenz/ Internationales Forum für Wirtschaftskommunikation Tue, 22 Sep 2026 11:37:35 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 https://www.ifwk.net/wp-content/uploads/2017/12/fb-logo-150x150.jpg künstliche Intelligenz Archive » IFWK https://www.ifwk.net/tag/kuenstliche-intelligenz/ 32 32 IFWK-Talk: Die KI kann vieles – aber keine Verantwortung übernehmen https://www.ifwk.net/ifwk-talk-die-ki-kann-vieles-aber-keine-verantwortung-uebernehmen/ Tue, 22 Sep 2026 11:37:33 +0000 https://www.ifwk.net/?p=2365 Philosophin Lisz Hirn: Wir müssen den Begriff des Menschseins neu definieren.
APA-Chefin Maria Scholl fordert eine neue Sprache beim Reden über KI.
deepsearch-Chef Roland Fleischhacker: Es ist keine Intelligenz, sondern reine Statistik.

Der Beitrag IFWK-Talk: Die KI kann vieles – aber keine Verantwortung übernehmen erschien zuerst auf IFWK.

]]>
Philosophin Lisz Hirn: Wir müssen den Begriff des Menschseins neu definieren.
APA-Chefin Maria Scholl fordert eine neue Sprache beim Reden über KI.
deepsearch-Chef Roland Fleischhacker: Es ist keine Intelligenz, sondern reine Statistik.

Wien, 22. Sept. 2026 (IFWK). – Die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) verändert nicht nur das konkrete Arbeitsumfeld vieler Menschen, die KI wirft auch elementare philosophische Fragen auf. Vor allem der Aspekt der Verantwortung bei der Anwendung von KI bewog den Gründer des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK), Rudolf J. Melzer, die Philosophin und Buchautorin Lisz Hirn zu einer Podiumsdiskussion einzuladen. Zusätzlich zur Verantwortung müsse auch der Begriff des Menschseins neu ausgelotet und definiert werden, sagte die Philosophin in ihrem Impulsreferat zu „Vom Werkzeug zum Urteil – KI und die Frage nach der Verantwortung“. Denn der oft bemühte Vergleich mit einem Werkzeug – das wertfrei so oder so eingesetzt werden kann – funktioniere nicht mehr. „KI ist kein Werkzeug wie ein Hammer oder ein Kugelschreiber, sie ist eine Stufe höher“.

Die jüngste Diskussion über die Gefahr, dass die neue Technologie im Extremfall die Menschheit auslöschen könnte, sei nichts Neues, sagt Hirn. Zur Mitte des 20. Jahrhunderts gab es ähnliche Debatten und Sorgen angesichts der Einsatzmöglichkeiten der Atombombe. Und so wie damals gebe es auch heute „keine andere Wahl als damit zu leben“, lautet die Schlussfolgerung der Philosophin. Es gehe nicht um die Abschaffung einer neuen potenziell gefährlichen Technologie, sondern darum, „sie im Griff zu haben“.

Der größte Diebstahl in der Geschichte der Menschheit
Maria Scholl, Vorsitzende der Geschäftsführung und Chefredakteurin der APA-Austria Presse Agentur, verweist auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von KI im Medienbereich, auch in der APA. Doch dabei dürfe man weder Risken ausblenden noch außer Acht lassen, dass viele KI-Systeme illegal mit Millionen Artikel trainiert worden seien. Auch KI-Experten selbst sprechen daher vom „womöglich größten Diebstahl in der Geschichte der Menschheit“. Oftmals werde das Thema der Verantwortung klein geredet, unterstreicht die APA-Chefin. „Auch Werkzeuge sind nie nur neutral“. Während die Technik ständig mit neuen Verheißungen locke, „lassen uns Ethik und Politik im Stich“, sagt Scholl. Grundsätzlich sei KI aber auch ein großer Turbo für Information und ihre schnelle effiziente Verbreitung, „eine Technologie, die darauf wartet, von uns gefüttert und genutzt zu werden“.

Neue Dimension von Verantwortung
Mit dem Einsatz von KI kämen auch neue Dimensionen von Verantwortung ins Spiel, sagt der KI-Pionier und CEO der deepsearch GmbH, Roland Fleischhacker. Man könne KI schlicht als kognitiven Assistenten nutzen, etwa in Form einer Navigationshilfe im Auto. Oder aber man statte sie mit einem klaren Gesamtziel aus – und die KI werde das zielstrebiger und konsequenter verfolgen als jeder Mensch, sagt Fleischhacker, der mit seiner Firma deepsearch KI-Lösungen für Unternehmen entwickelt. „Das ist eine neue Qualität von Verantwortung.“

Gerechtigkeit ist nicht „ausrechenbar“
Anwendungen der KI würden das Feld für grundsätzliche Fragen öffnen, sagt die Philosophin Hirn. Manchmal führten schwierige Fragen zu Pattsituation, für die Ethik und Politik keine Lösungen hätten. Dann biete die Technologie verführerische Lösungen an – etwa zur Beantwortung der Frage, ob ein selbstfahrendes Auto im Zweifelsfall eher das Leben einer jungen Frau mit Kinderwagen oder das eines alten Mannes retten solle. Doch „Gerechtigkeit ist so nicht ausrechenbar“, sagt Hirn. Der alte Mann könnte sich als verdienstvoller Arzt erweisen, der Kinderwagen könnte leer sein – die Fragen nach dem Menschsein seien nicht so einfach zu beantworten. Das zeige die Vielschichtigkeit des Themas, sagt Hirn. Letztlich gehe es darum, möglichst viele Handlungsoptionen zu erhalten.

Die Konzentration auf wenige große Anbieter bringe auch die massive Konzentration und Verschiebung von Macht mit sich, sind sich die Diskutanten einig. Das gilt auch für die Energieversorgung zum Betrieb von KI, die immer größere Ressourcen verbrauche. Auch das sei ein Aspekt von Verantwortung, meint Fleischhacker. Während das Versprechen darin besteht, dass KI jedermann zu Höchstleistungen befähigen könne, würden in der Praxis fünf bis sechs „Tech Bros“ über die Ergebnisse entscheiden. Etwa durch die Entscheidung, mit welchem Datenmaterial die KI trainiert worden sei. So werde eine KI, die mit dem Gesamtwerk der britischen Bestsellerautorin Rosamunde Pilcher gefüttert wurde, ganz andere Antworten liefern als eine KI, die nur das gesammelte Wissen des Weltraumhelden Perry Rhodan abgespeichert habe. Der Input der Daten sei das einzige, was das Ergebnis steuere.

Ein Teil der Diskussion beschäftigte sich mit dem Begriff Intelligenz. KI-Experte Fleischhacker führte ins Treffen, KI habe eigentlich nichts mit Intelligenz zu tun, „es ist reine Statistik“. APA-Chefin Maria Scholl plädiert für ein erweitertes Vokabular beim Sprechen über KI. „Wir müssen lernen, unsere Sprache reicher zu machen, wenn wir über KI reden“, sagt die APA-Chefin. Denn oft würden viele Dinge und Aspekte mit diesem einzigen Begriff bezeichnet. Es könnte sich auch um eine geschickte Vermarktungsstrategie handeln, wenn von Intelligenz die Rede sei. Zudem ist es auch eine Frage der Übersetzung – das englische Wort „intelligence“ sei nicht deckungsgleich mit dem deutschen Begriff, sondern bezeichne zudem auch Datensammlungen. Hirn spricht sich dafür aus, im Plural von Intelligenzen zu sprechen. Auch Bewusstsein lasse sich nicht eindeutig definieren.

Rechtsgrundlage zum Teil 200 Jahre alt
Bisher noch nicht eigens geregelt ist der Bereich juristischer Haftungsfragen beim Einsatz von KI. Mangels eigener expliziter Bestimmungen kommen hier noch teils 200 Jahre alte Rechtsgrundsätze zum Tragen. Das funktioniere nach dem Motto „Wer etwas falsch gemacht hat, haftet für den Schaden“, erläutert Julian von Lenthe von der Kanzlei Lugger | Bankler. Das heißt, wer Ersatz für entstanden Schaden möchte, muss beweisen, dass der andere rechtswidrig und schuldhaft gehandelt habe. „Das kann einer sein, es können alle sein oder niemand“.

Auch die KI selbst stehe in vielem noch am Anfang, sagt KI-Experte Fleischhacker. „Was wir heute sehen, ist nur ein Abklatsch von dem, was wir in fünf Jahren sehen werden“. Vor allem die zunehmende Vernetzung von KI-Systemen untereinander werde rasante weitere Fortschritte bringen.

Unterschied Effizienz und Effektivität
Ethische und moralische Fragen aber werden bleiben und an Bedeutung noch zunehmen, erwartet die Philosophin Lisz Hirn. „KI überschreitet unsere Möglichkeiten. Wir müssen wissen, wie wir das in Schach halten können.“ Trotz einer haushohen Überlegenheit der Technologie in Sachen Effizienz sehe es bei der Effektivität ganz anders aus. Und APA-Chefin Maria Scholl ortet auf vielen Seiten noch großen Lernbedarf. Alle würden reden über KI, aber nur wenige hätten wirklich fundierte Einblicke. „Das ist ein bisschen so, wie wenn Astrologen von Sternzeichen reden“.

Rege Diskussion
An der von Sheconomy Co-Founderin Michaela Ernst moderierten Diskussion beteiligten sich nicht nur die Cyberpsychologin Beate Kniescheck und Matthias Compes von Translink Corporate Finance, sondern auch der langjährige Borealis-CEO Thomas Gangl, ÖBV-Direktor Karl Koczurek sowie die Unternehmensberater Klaus Schmid und Robert Bodenstein.

Beim anschließenden Executive Networking mit Buffet und Prickelndem von Peter Szigeti tauschten unter anderem Georg Lemmerer von der Schelhammer Capital Privatbank, Prinzhorn-CIO Manfred Ofner, Verbund-E4B-Kommunikationsleiterin Martha Salaquarda, Marte Fjelland von RHI Magnesita, Gerhard Wolf, KPMG, Michael Sponring, PwC, sowie Stefan Siegl und Roman Kutter von IMAVIDA ihre Erfahrungen im Umgang mit „KI und Verantwortung“ aus.

Die nächste Veranstaltung des IFWK widmet sich dem Thema „Explodierende AI- & IT-Kosten“ und wird am 30.11. 2026 stattfinden. Interessenten melden sich bei: office@ifwk.net

Weitere Informationen unter www.ifwk.net

 Rückfragehinweis:
IFWK Stubenbastei 12, 1010 Wien
office@ifwk.net, Tel.: 069913225460

Der Beitrag IFWK-Talk: Die KI kann vieles – aber keine Verantwortung übernehmen erschien zuerst auf IFWK.

]]>
Künstliche Intelligenz als Schlüssel zur Effizienz https://www.ifwk.net/kuenstliche-intelligenz-als-schlussel-zur-effizienz/ Thu, 07 Dec 2023 08:32:48 +0000 https://www.ifwk.net/?p=1724 Buchautorin und Herausgeberin Isabella Mader im IFWK-Kamingespräch über die Wichtigkeit von Wissensmanagement in Unternehmen

Der Beitrag Künstliche Intelligenz als Schlüssel zur Effizienz erschien zuerst auf IFWK.

]]>
Buchautorin und Herausgeberin Isabella Mader im IFWK-Kamingespräch über die Wichtigkeit von Wissensmanagement in Unternehmen

In einer Ära der ständigen Informationsflut, in der Menschen täglich mindestens 30-mal so viele Informationen zu bearbeiten haben als in den 1970er-Jahren, wird die Bedeutung effektiven Wissensmanagements in Unternehmen immer deutlicher: „Alle sind überlastet, suchen zu lange nach Informationen, werden ständig unterbrochen und versitzen zu viel Zeit in ineffizienten Meetings. Wir müssen Wissensarbeit wieder produktiv machen“, sagte die Informationswissenschaftlerin und Wirtschaftspsychologin Isabella Mader, die seit über 15 Jahren auf diesem Gebiet forscht, bei der Präsentation ihres neuesten Buches „Wissensmanagement erfolgreich umsetzen“ im Rahmen des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK) bei PWC in Wien. Unternehmen befänden sich vielfach in einem Hamsterrad. „Wir brauchen Hilfe.“ Künstliche Intelligenz könnte Teil dieser Lösung sein.

Unternehmen stehen aktuell vor einer besonderen Herausforderung, da Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft das Unternehmen verlassen, bevor ihr oft betriebskritisches Wissen angemessen transferiert werden kann. In diesem Kontext warnt Mader: „Unser Informationsverhalten passt zu der Informationsmenge der 1970er Jahre – wir müssen nicht schneller, sondern anders arbeiten.“ Wissensmanagement sollte dabei ein unverzichtbares Element sein, um in der heutigen schnelllebigen Geschäftswelt erfolgreich und vor allem reaktionsschnell zu agieren.

KI als Tool für Produktivitätssteigerung

Der zunehmende Stress und die täglich aufgewendeten ein bis drei Stunden, die allein für die Suche nach Unterlagen aufgewendet werden, sind ein deutliches Signal dafür, dass Unternehmen bzw. einzelne Personen Unterstützung benötigen. Als Vorstand von Excellence Research und Executive Advisor des Global Peter Drucker Forums hob Mader hervor, dass Künstliche Intelligenz zunehmend als entscheidendes Werkzeug im Wissensmanagement betrachtet wird. Diese Erkenntnis verdeutlichte sie in dem selbstorganisierenden Panel mit dem KI-Experten Sindre Wimberger: Eine effektive Arbeitsaufteilung zwischen KI und menschlichen Fachkräften sei dabei entscheidend – es gelte zu verstehen, wer welche Aufgaben am besten bewältigen könne. Wimberger, der in der digitalen Produktentwicklung der Stadt Wien tätig ist, befürwortet dies und schlägt vor, fortgeschrittene Sprachmodelle wie ChatGPT gezielt für das Wissensmanagement einzusetzen. Gleichzeitig betonte er auch die Notwendigkeit des richtigen Umgangs mit solchen Instrumenten: „Wir werden die Fähigkeiten und das Wissen, wie man effektiv mit KI umgeht, benötigen, um effizienter und besser zu werden. Dies könnte sogar dazu beitragen, dem Fachkräftemangel und der Pensionierungswelle entgegenzuwirken, ohne dabei jedoch den Menschen zu ersetzen.“

Teamarbeit als entscheidender Faktor

Isabella Mader präsentiert in ihrem neuen Buch ein erprobtes Konzept, das über 15 Jahre hinweg entwickelt und nun in optimaler Form niedergeschrieben wurde. Der Fokus des Buches liegt auf einem innovativen Ansatz, der von einem Self-Check über eine Tool-Selektionshilfe zu einer Toolbox führt. Besonders ist dabei die Herangehensweise, in breit aufgestellten Teams zu arbeiten. Diese Personengruppen setzen sich zusammen, um gemeinsam Herausforderungen und Problemstellungen zu erarbeiten, wodurch ein tiefes Bewusstsein für die behandelten Themen geschaffen und anschließend produktiv von den involvierten Teams auch mitgetragen werden. In diesem Kontext teilte der Präsident des Global Peter Drucker Forums, Richard Straub, seine Meinung zu dem Begriff „Wissensmanagement“. Er betonte die Herausforderung, diesem Konzept wieder die nötige Attraktivität zu verleihen: „Es ist sehr wichtig, dass sich Unternehmen intensiv mit Wissensmanagement auseinandersetzen. Dafür benötigt die ganze Thematik einen neuen Glanz!“ – Maders systematisches, community-basiertes Vorgehensmodell soll hier als effektives Werkzeug dienen: „Wenn die Leute gemeinsam den Bedarf erkennen, dann wird mit diesem Vorgang auch die Akzeptanz von Wissensmanagement steigen.“

Information vs. Wissen

Im Zentrum des Wissensmanagements stehe die Erkenntnis, dass Wissen mehr sei als die bloße Ansammlung von Informationen, erklärte Mader: „Wissen entsteht erst durch die individuelle Konstruktion im Alltag. Wenn wir Wissen managen, managen wir demnach auch Menschen“. 

Hochkarätige Diskussion bei IFWK-Kamingespräch

IFWK-Gründer Rudolf J. Melzer verwies auf die zusätzlichen Herausforderungen, die im Bereich Wissensmanagement auf viele Sektoren der Wirtschaft – von der Hi-Tech-Industrie über den Finanzbereich bis hin zu Handwerk und Gewerbe – zukommen würden, und freute sich über die angeregte Diskussion zum Thema in den neuen Konferenzräumlichkeiten von PWC Österreich. Teilgenommen haben an diesem Kamingespräch unter anderem die Leiterin von FERI Österreich, Doris Hösch, Dorda-Kommunikationschefin Susanna Janovsky, die Geschäftsführerin von Gentics Software sowie CFO der APA, Doris Pokorny, Simone Ratasich von IP-Österreich, PWC-Partner Thomas Windhager, Springer Herausgeber und ICMCI Chairman Robert Bodenstein, xrxes Geschäftsführerin Ulrike Schmidt und xrxes-Principal Consultant Norbert Weidinger sowie die Anwälte Martin Stadlmann und Max Maximilian von MS Legal.

Der Beitrag Künstliche Intelligenz als Schlüssel zur Effizienz erschien zuerst auf IFWK.

]]>
ChatGPT: Ein gutes Instrument für Desinfomation? https://www.ifwk.net/chatgpt-ein-gutes-instrument-fuer-desinfomation/ Wed, 17 May 2023 08:49:46 +0000 https://www.ifwk.net/?p=1613 IFWK-Talk zu Grenzen und Chancen der generative AI und warum es dringend notwendig ist, die KI-Kompetenz in der Bevölkerung zu fördern Binnen kürzester Zeit hat...

Der Beitrag ChatGPT: Ein gutes Instrument für Desinfomation? erschien zuerst auf IFWK.

]]>
IFWK-Talk zu Grenzen und Chancen der generative AI und warum es dringend notwendig ist, die KI-Kompetenz in der Bevölkerung zu fördern

Binnen kürzester Zeit hat der ChatGPT-Hype fast alle Bereiche des Lebens erfasst und viele neue Unsicherheiten und Chancen mit sich gebracht. Wie vertrauenswürdig ist die Information, die ChatGPT ausspuckt und wo liegen Potenziale für Unternehmen, Medien oder auch für unser Bildungssystem? Der Gründer des Internationalen Forums für Wirtschafts-kommunikation (IFWK), Rudolf J. Melzer, lud dieser Tage Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Medien, Schule, Juristerei und Wirtschaft zum Talk rund um künstliche Intelligenz und Vertrauen ein.

„ChatGPT ist kein Recherchewerkzeug“, betonte Verena Krawarik, Leiterin der Stabsstelle Innovationsmanagement und des medialab der APA – Austria Presse Agentur, in ihrer Keynote: „Während Experimente beim Vereinfachen und Zusammenfassen von Texten gute Ergebnisse zeigen, ist ChatGPT – entgegen der noch weit verbreiteten Meinung – nicht imstande, Wissen zu generieren. Wir haben ChatGPT anhand vieler Fallbeispiele getestet“. Krawarik warnte zudem vor einem enormen Fakenews-Potenzial, wenn Informationen ungeprüft weiterverwendet werden, „und gerade, wenn es um Copyright geht, stehen wir noch ganz am Anfang der Debatte.“ Um gewissenhaft und sinnvoll mit der Software umgehen zu können, brauche es neue Kompetenzen, aber auch Guidelines für den ethischen Umgang, so Krawarik; und hier sei neben den Unternehmen selbst vor allem auch das Bildungssystem gefordert, neue Technologien wie ChatGPT aktiv in den Unterricht einzubauen.

Fragt Matura noch die richtigen Kompetenzen ab?

Der Umgang mit Falschinformationen wird auch in den Schulen und Hochschulen mehr und mehr zum Thema. Bundesschulsprecherin Flora Schmudermayr sieht hier noch großes Verbesserungspotenzial mit neuen Technologien: „Gut ist, dass im neuen Fach ‚Digitale Grundausbildung‘ nicht mehr nur das Zehn-Finger-System gelehrt wird, sondern eben auch das Erkennen von Fake News und wie Quellen richtig verwendet werden. Es ist unumgänglich, ChatGPT im Unterricht einzubauen und vor allem, sich als Lehrkraft bewusst zu werden, wie ich Angaben schreiben muss, damit eine Aufgabe eben nicht mit ChatGPT gelöst werden kann. Es braucht also Kompetenzen von Schülern UND Lehrern.“  Das Programm hat erst kürzlich die Zentralmatura bestanden. Schmudermayr: „Da stell ich schon die Frage, ob unsere Matura noch die richtigen Kompetenzen abfragt.“

Bester Faktencheck sitzt zwischen den Ohren

„Im Idealfall unterrichtet man an Schulen und Hochschulen Methoden und nicht nur Auswendiglernen“, ergänzte Isabella Mader, Vorstand von Excellence Research, Informationswissenschaftlerin und Lehrende für IT-Strategie an der FH Hagenberg. „Denn diese Methoden sind die Basis für Berufe von morgen, die es momentan noch gar nicht gibt. Wir dürfen nicht den Fehler machen, zu glauben, dass uns künstliche Intelligenz oder Technologie Jobs wegnimmt. Richtig eingesetzt, kann es Wissensarbeit massiv entlasten. Gerade bei Quellenangaben arbeitet das Programm noch nicht ausreichend gut: Der beste Faktencheck sitzt immer noch zwischen unseren Ohren.“

Künstliche Intelligenz wird den Menschen nicht entmachten

Grundsätzlich müsse man bei der Diskussion zwischen dem Produkt ChatGPT und der zugrundeliegenden Technologie, den Large Language Models, unterscheiden, erklärte Marcus Hudec, CEO von Data Technology: „Die Large Language Models haben einen großen Wert für die Wissenschaft, sie haben aber kein Wissen. Wenn es gelingt, Systeme der Wissensverwaltung und
-speicherung mit Large Language Models näher zusammenzubringen, dann erleben wir den nächsten Quantensprung. Derzeit sind die Systeme wirklich dumm und führen eher zu Halbwissen.“ Die Technologie sei aber sehr relevant für die Wissenschaft und es sei klar, dass wir uns intensiv damit auseinandersetzen müssen, um die Technologie intelligent zu nutzen: „Künstliche Intelligenz wird Menschen nicht entmachten, aber klug genutzt kann sie uns künftig entlasten.“

Ein Drittel der ChatGPT-Informationen ist falsch
Roland Fleischhacker
, CEO von deepsearch, ergänzte: „Es ist wichtig, zu wissen, dass momentan ein Drittel der Informationen, die ChatGPT ausspuckt, falsch ist. Wenn man die Software aber mit konkretem Wissen füttert, zum Beispiel mit Informationen zu einem Unternehmen, kann es gute Texte und präzise Antworten liefern. Und das ist schon ein Quantensprung für viele Unternehmensprozesse, nämlich das Wissen aus langen Texten mit konkreten Fragen und Antworten zusammenzuführen.“ Derzeit liege die Gefahr bei ChatGPT im unverarbeiteten Content, auf den ChatGPT zurückgreift, also zum Beispiel von Chatforen oder Plattformen, die nicht redaktionell bearbeitet werden.

Die Moderatorin des Abends, Wirtschaftsjournalistin Michaela Ernst, stellte daraufhin die Frage, ob ChatGPT demnach ein gutes Instrument für Desinformation sei?

Isabella Mader: „Wir leben in einer Zeit, in der alle klagen, keine Zeit mehr zu haben und überarbeitet zu sein. Wir werden uns helfen lassen müssen. Die Frage ist, wofür wir die Systeme einsetzen. Sinnvoll ist es, wenn das System bei der Textierung hilft und so der Belegschaft Zeit spart. Entscheidend ist die Befähigung der Gesellschaft, mit der Technologie umzugehen. Verbote bringen gar nichts und werfen uns nur um Jahrzehnte zurück. Und diese Zeit werden Cyberkriminelle nutzen.“

KI kann nicht Urheber sein

Ein wesentlicher Aspekt zum Thema ChatGPT ist außerdem die rechtliche Perspektive. „Laut Gesetz ist der Urheber eine natürliche Person. Dem folgend kann eine KI nicht Urheber sein“, erklärte Alexandra Ciarnau, Wirtschaftsanwältin und Co-Leiterin der Digital Industries Group bei DORDA. „Wenn die KI nur meine Befehle ausübt, dann gehören die Resultate mir. Das ist eine spannende Abgrenzungsfrage. Denn wie viel Anweisungen muss ich der KI geben, damit es mein Werk ist?“ Spannend werde es beim Thema Haftbarkeit. Ciarnau: „Künstliche Intelligenz ist noch lange keine juristische Person, sie ist ein Werkzeug. Wer ist also für Schäden verantwortlich, die durch KI entstehen? Zum Beispiel ist Diskriminierung, die durch einen Chatbot entstanden ist, schwer nachweisbar. Künftig wird man hier sehr viel in Security und die Umsetzung der neuen Anforderungen nach dem AI Act investieren müssen.“

Angeregte Diskussion

Weitere Aspekte der künstlichen Intelligenz wie die gesunde Balance zwischen Datenschutz und Innovation, ethische Bedenken oder Fragen der Resilienz diskutierten in der Folge die CFO der Austria Presseagentur und Geschäftsführerin von Gentics Software, Doris Pokorny, Phoenix Contact-Österreich-Geschäftsführer Thomas Lutzky, der Geschäftsführer des Horizont-Verlages, Markus Gstöttner, Marlene Halikias, Partnerin bei Grant Thornton, Hermann Obermair von der Andritz AG, Anwältin Huberta Gheneff, die IFWK-Mitglieder Silvia d´Orazio und Susanna Janovsky sowie der Generalsekretär der Handelskammer Schweiz, Österreich und Liechtenstein, Urs Weber und die neu bestellte Geschäftsführerin des Wissenschaftlichen Senats des Public Relations Verbandes Austria, Gerlinde Layr-Gizycki.

Der Beitrag ChatGPT: Ein gutes Instrument für Desinfomation? erschien zuerst auf IFWK.

]]>