Diskussion Archive » IFWK https://www.ifwk.net/tag/diskussion/ Internationales Forum für Wirtschaftskommunikation Tue, 22 Sep 2026 11:37:35 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1.4 https://www.ifwk.net/wp-content/uploads/2017/12/fb-logo-150x150.jpg Diskussion Archive » IFWK https://www.ifwk.net/tag/diskussion/ 32 32 IFWK-Talk: Die KI kann vieles – aber keine Verantwortung übernehmen https://www.ifwk.net/ifwk-talk-die-ki-kann-vieles-aber-keine-verantwortung-uebernehmen/ Tue, 22 Sep 2026 11:37:33 +0000 https://www.ifwk.net/?p=2365 Philosophin Lisz Hirn: Wir müssen den Begriff des Menschseins neu definieren.
APA-Chefin Maria Scholl fordert eine neue Sprache beim Reden über KI.
deepsearch-Chef Roland Fleischhacker: Es ist keine Intelligenz, sondern reine Statistik.

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Philosophin Lisz Hirn: Wir müssen den Begriff des Menschseins neu definieren.
APA-Chefin Maria Scholl fordert eine neue Sprache beim Reden über KI.
deepsearch-Chef Roland Fleischhacker: Es ist keine Intelligenz, sondern reine Statistik.

Wien, 22. Sept. 2026 (IFWK). – Die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) verändert nicht nur das konkrete Arbeitsumfeld vieler Menschen, die KI wirft auch elementare philosophische Fragen auf. Vor allem der Aspekt der Verantwortung bei der Anwendung von KI bewog den Gründer des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK), Rudolf J. Melzer, die Philosophin und Buchautorin Lisz Hirn zu einer Podiumsdiskussion einzuladen. Zusätzlich zur Verantwortung müsse auch der Begriff des Menschseins neu ausgelotet und definiert werden, sagte die Philosophin in ihrem Impulsreferat zu „Vom Werkzeug zum Urteil – KI und die Frage nach der Verantwortung“. Denn der oft bemühte Vergleich mit einem Werkzeug – das wertfrei so oder so eingesetzt werden kann – funktioniere nicht mehr. „KI ist kein Werkzeug wie ein Hammer oder ein Kugelschreiber, sie ist eine Stufe höher“.

Die jüngste Diskussion über die Gefahr, dass die neue Technologie im Extremfall die Menschheit auslöschen könnte, sei nichts Neues, sagt Hirn. Zur Mitte des 20. Jahrhunderts gab es ähnliche Debatten und Sorgen angesichts der Einsatzmöglichkeiten der Atombombe. Und so wie damals gebe es auch heute „keine andere Wahl als damit zu leben“, lautet die Schlussfolgerung der Philosophin. Es gehe nicht um die Abschaffung einer neuen potenziell gefährlichen Technologie, sondern darum, „sie im Griff zu haben“.

Der größte Diebstahl in der Geschichte der Menschheit
Maria Scholl, Vorsitzende der Geschäftsführung und Chefredakteurin der APA-Austria Presse Agentur, verweist auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von KI im Medienbereich, auch in der APA. Doch dabei dürfe man weder Risken ausblenden noch außer Acht lassen, dass viele KI-Systeme illegal mit Millionen Artikel trainiert worden seien. Auch KI-Experten selbst sprechen daher vom „womöglich größten Diebstahl in der Geschichte der Menschheit“. Oftmals werde das Thema der Verantwortung klein geredet, unterstreicht die APA-Chefin. „Auch Werkzeuge sind nie nur neutral“. Während die Technik ständig mit neuen Verheißungen locke, „lassen uns Ethik und Politik im Stich“, sagt Scholl. Grundsätzlich sei KI aber auch ein großer Turbo für Information und ihre schnelle effiziente Verbreitung, „eine Technologie, die darauf wartet, von uns gefüttert und genutzt zu werden“.

Neue Dimension von Verantwortung
Mit dem Einsatz von KI kämen auch neue Dimensionen von Verantwortung ins Spiel, sagt der KI-Pionier und CEO der deepsearch GmbH, Roland Fleischhacker. Man könne KI schlicht als kognitiven Assistenten nutzen, etwa in Form einer Navigationshilfe im Auto. Oder aber man statte sie mit einem klaren Gesamtziel aus – und die KI werde das zielstrebiger und konsequenter verfolgen als jeder Mensch, sagt Fleischhacker, der mit seiner Firma deepsearch KI-Lösungen für Unternehmen entwickelt. „Das ist eine neue Qualität von Verantwortung.“

Gerechtigkeit ist nicht „ausrechenbar“
Anwendungen der KI würden das Feld für grundsätzliche Fragen öffnen, sagt die Philosophin Hirn. Manchmal führten schwierige Fragen zu Pattsituation, für die Ethik und Politik keine Lösungen hätten. Dann biete die Technologie verführerische Lösungen an – etwa zur Beantwortung der Frage, ob ein selbstfahrendes Auto im Zweifelsfall eher das Leben einer jungen Frau mit Kinderwagen oder das eines alten Mannes retten solle. Doch „Gerechtigkeit ist so nicht ausrechenbar“, sagt Hirn. Der alte Mann könnte sich als verdienstvoller Arzt erweisen, der Kinderwagen könnte leer sein – die Fragen nach dem Menschsein seien nicht so einfach zu beantworten. Das zeige die Vielschichtigkeit des Themas, sagt Hirn. Letztlich gehe es darum, möglichst viele Handlungsoptionen zu erhalten.

Die Konzentration auf wenige große Anbieter bringe auch die massive Konzentration und Verschiebung von Macht mit sich, sind sich die Diskutanten einig. Das gilt auch für die Energieversorgung zum Betrieb von KI, die immer größere Ressourcen verbrauche. Auch das sei ein Aspekt von Verantwortung, meint Fleischhacker. Während das Versprechen darin besteht, dass KI jedermann zu Höchstleistungen befähigen könne, würden in der Praxis fünf bis sechs „Tech Bros“ über die Ergebnisse entscheiden. Etwa durch die Entscheidung, mit welchem Datenmaterial die KI trainiert worden sei. So werde eine KI, die mit dem Gesamtwerk der britischen Bestsellerautorin Rosamunde Pilcher gefüttert wurde, ganz andere Antworten liefern als eine KI, die nur das gesammelte Wissen des Weltraumhelden Perry Rhodan abgespeichert habe. Der Input der Daten sei das einzige, was das Ergebnis steuere.

Ein Teil der Diskussion beschäftigte sich mit dem Begriff Intelligenz. KI-Experte Fleischhacker führte ins Treffen, KI habe eigentlich nichts mit Intelligenz zu tun, „es ist reine Statistik“. APA-Chefin Maria Scholl plädiert für ein erweitertes Vokabular beim Sprechen über KI. „Wir müssen lernen, unsere Sprache reicher zu machen, wenn wir über KI reden“, sagt die APA-Chefin. Denn oft würden viele Dinge und Aspekte mit diesem einzigen Begriff bezeichnet. Es könnte sich auch um eine geschickte Vermarktungsstrategie handeln, wenn von Intelligenz die Rede sei. Zudem ist es auch eine Frage der Übersetzung – das englische Wort „intelligence“ sei nicht deckungsgleich mit dem deutschen Begriff, sondern bezeichne zudem auch Datensammlungen. Hirn spricht sich dafür aus, im Plural von Intelligenzen zu sprechen. Auch Bewusstsein lasse sich nicht eindeutig definieren.

Rechtsgrundlage zum Teil 200 Jahre alt
Bisher noch nicht eigens geregelt ist der Bereich juristischer Haftungsfragen beim Einsatz von KI. Mangels eigener expliziter Bestimmungen kommen hier noch teils 200 Jahre alte Rechtsgrundsätze zum Tragen. Das funktioniere nach dem Motto „Wer etwas falsch gemacht hat, haftet für den Schaden“, erläutert Julian von Lenthe von der Kanzlei Lugger | Bankler. Das heißt, wer Ersatz für entstanden Schaden möchte, muss beweisen, dass der andere rechtswidrig und schuldhaft gehandelt habe. „Das kann einer sein, es können alle sein oder niemand“.

Auch die KI selbst stehe in vielem noch am Anfang, sagt KI-Experte Fleischhacker. „Was wir heute sehen, ist nur ein Abklatsch von dem, was wir in fünf Jahren sehen werden“. Vor allem die zunehmende Vernetzung von KI-Systemen untereinander werde rasante weitere Fortschritte bringen.

Unterschied Effizienz und Effektivität
Ethische und moralische Fragen aber werden bleiben und an Bedeutung noch zunehmen, erwartet die Philosophin Lisz Hirn. „KI überschreitet unsere Möglichkeiten. Wir müssen wissen, wie wir das in Schach halten können.“ Trotz einer haushohen Überlegenheit der Technologie in Sachen Effizienz sehe es bei der Effektivität ganz anders aus. Und APA-Chefin Maria Scholl ortet auf vielen Seiten noch großen Lernbedarf. Alle würden reden über KI, aber nur wenige hätten wirklich fundierte Einblicke. „Das ist ein bisschen so, wie wenn Astrologen von Sternzeichen reden“.

Rege Diskussion
An der von Sheconomy Co-Founderin Michaela Ernst moderierten Diskussion beteiligten sich nicht nur die Cyberpsychologin Beate Kniescheck und Matthias Compes von Translink Corporate Finance, sondern auch der langjährige Borealis-CEO Thomas Gangl, ÖBV-Direktor Karl Koczurek sowie die Unternehmensberater Klaus Schmid und Robert Bodenstein.

Beim anschließenden Executive Networking mit Buffet und Prickelndem von Peter Szigeti tauschten unter anderem Georg Lemmerer von der Schelhammer Capital Privatbank, Prinzhorn-CIO Manfred Ofner, Verbund-E4B-Kommunikationsleiterin Martha Salaquarda, Marte Fjelland von RHI Magnesita, Gerhard Wolf, KPMG, Michael Sponring, PwC, sowie Stefan Siegl und Roman Kutter von IMAVIDA ihre Erfahrungen im Umgang mit „KI und Verantwortung“ aus.

Die nächste Veranstaltung des IFWK widmet sich dem Thema „Explodierende AI- & IT-Kosten“ und wird am 30.11. 2026 stattfinden. Interessenten melden sich bei: office@ifwk.net

Weitere Informationen unter www.ifwk.net

 Rückfragehinweis:
IFWK Stubenbastei 12, 1010 Wien
office@ifwk.net, Tel.: 069913225460

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Rezept für Auslandskarrieren: Flexibilität, Humor und Mut zur Lücke https://www.ifwk.net/rezept-fuer-auslandskarrieren-flexibilitaet-humor-und-mut-zur-luecke/ Thu, 07 May 2026 14:27:08 +0000 https://www.ifwk.net/?p=2324 Das IFWK untersuchte die Erfolgsfaktoren für internationale Karrieren. Der eigene Auslandsaufenthalt
ist dafür nicht unbedingt Voraussetzung, Fingerspitzengefühl aber sehr wohl.

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Das IFWK untersuchte die Erfolgsfaktoren für internationale Karrieren. Der eigene Auslandsaufenthalt
ist dafür nicht unbedingt Voraussetzung, Fingerspitzengefühl aber sehr wohl.

Wien, 6. Mai 2026, IFWK. – Internationale Karrieren haben große Bedeutung in einem stark auf den Außenhandel fokussierten Land wie Österreich, gerade auch in Zeiten massiver geopolitischer Veränderungen. Ob man dafür ins Ausland geht oder aus Österreich Verantwortung für Organisationen in anderen Ländern übernimmt: Viele Anforderungen sind allen grenzüberschreitenden Berufskarrieren gemeinsam. In jedem Fall mitzubringen sind Neugier und Flexibilität, lautet eine Erkenntnis aus einem Expertengespräch zum Thema „Internationale Karrieren und Einfluss“, zu dem der Gründer des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK), Rudolf J. Melzer, kürzlich in Wien einlud. Auch der Humor darf dabei nicht zu kurz kommen.

Offenheit und Neugier sind wesentliche Voraussetzungen für eine internationale Laufbahn. Darüber hinaus brauche es aber auch noch Konfliktfähigkeit – und die Fähigkeit, Kompromisse einzugehen, sagt Roman Oberauer. Er ist Executive Partner Manager bei Huawei Austria und war davor als Österreich-Geschäftsführer des japanischen Konzerns NTT Ltd tätig. Aus seiner Sicht unentbehrlich sei „auch Mut zur Lücke, denn man weiß nicht immer alles“.

Eine weitere wichtige Eigenschaft ist für die Henkel-Managerin Marlene Hoelsken die Fähigkeit, auch unter Beschäftigten an mehreren Standorten ein Gefühl der Zugehörigkeit zu erzeugen. „Das muss man als Teamleiter sehr aktiv betreiben, etwa durch coffee chats oder persönliche Gespräche“, die etwa mit Videoschaltungen auch über große Distanzen hinweg geführt werden könnten. Hoelsken ist Head of R&D EU Country Amplification & PSRA bei Henkel Consumer Brands.

Anita Gradwohl von der auf Luxusinterieur spezialisierten und weltweit tätigen Firma F/List unterstreicht die große Bedeutung von Flexibilität für internationale Führungspositionen. Das gilt nicht nur für die Person selbst, auch das private Umfeld müsse mitspielen. „Familienfeiern richten sich nach Dienstreisen“, sagt Gradwohl. Sie betreut seit 20 Jahren Kunden in aller Welt, vor allem in Nord- und Südamerika, Asien und dem Nahen Osten. Das Portfolio der F/List Group umfasst luxuriöse Innenausstattungslösungen für Geschäfts- und Privatjets, die kommerzielle Luftfahrt sowie exklusive Wohnresidenzen.

Nicht zu vergessen sei die Rolle des Humors, ergänzt Christoph Strnadl, der technische Leiter (CTO) der europäischen Dateninfrastruktur-Initiative Gaia-X, der davor für einen großen deutschen Software-Konzern tätig war. Das umfasse im besten Fall eine gewisse Fehlertoleranz – auch sich selbst gegenüber, sagt Strnadl, „also die Bereitschaft über sich selbst zu lachen“. Humor könne ein Mittel sein, Spannungen abzubauen und einen gemeinsamen Teamgeist herzustellen. Dazu brauche es aber auch viel Feingefühl, denn nicht alle Kulturen hätten denselben Humor.

Gute Kontakte als Sprungbrett

Eine internationale Tätigkeit allein ist freilich noch kein Garant für eine internationale Karriere. Um sie zum Sprungbrett für die weitere Laufbahn werden zu lassen, seien vor allem gute Kontakte nötig, also ein gut gepflegtes berufliches Netzwerk, unterstreicht Julia Högendörfer. Sie blickt auf neun Jahre Marketing für IBM und Mercer in Dubai zurück. Heute verantwortet sie die Bereiche Digitale Transformation und E-Commerce bei Sport 2000. Eine besondere Herausforderung sei das Aufrechterhalten solcher Kontakte über Ländergrenzen hinweg, ergänzt Henkel-Managerin Hoelsken. Die Beteiligung an internationalen Projekten sei eine Methode, um im Konzern sichtbar zu bleiben.

Welche Rolle kommt Österreich bei internationalen Karrieren zu – als Herkunftsland oder auch als Zielland für ausländische Führungskräfte, will Moderator Michael Köttritsch von der Karriere-Redaktion der „Presse“ wissen. Die Teilnehmer am Talk empfinden die Herkunft aus Österreich mehrheitlich als Vorteil, das Land werde international als strukturiert und organisiert wahrgenommen. Als kleineres Land sei man zudem nicht so exponiert wie etwa Frankreich oder Deutschland.

Die Rolle als Zielland wird differenziert gesehen. Außerhalb der Großstadt Wien könne es schon schwierig werden, geeignetes internationales Top-Personal zu finden. Mitunter auch in Wien selbst, auch wenn die Hauptstadt in internationalen Rankings regelmäßig zu einer der lebenswertesten Städte weltweit gekürt wird.

Achtung vor Wertekolonialismus

Für eine erfolgreiche internationale Karriere sei letztlich eine Vielzahl unternehmerischer wie auch menschlicher Fähigkeiten erforderlich, ist man sich am Podium einig. Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch in anderen Ländern müssten das Gefühl haben, dass sie wahrgenommen und wertgeschätzt würden. Nicht zuletzt erfordere der Umgang mit unterschiedlichen Kulturen viel Fingerspitzengefühl, damit es nicht zu einem „Wertekolonialismus“ komme.

Zu weiteren Aspekten rund um Träume und Realitäten internationaler Karrieren diskutierten in der Henkel-CEE-Zentrale in Wien des Weiteren: Martha Salaquarda von VERBUND Energy 4 Business, die Wirtschaftsanwältin Stefanie Lugger, Sheconomy Co-Founderin Michaela Ernst, IMAVIDA-Geschäftsführer Stefan Siegl, Henkel-CEE-Kommunikationschef Michael Sgiarovello sowie Unternehmensberater Robert Bodenstein und der Geschäftsführer des Sightseeing-Busunternehmens Big Bus, Reinhard Grubhofer.

Rückfragehinweis:
Rudolf J. Melzer, +43 69913225460,
r.melzer@melzer-pr.com

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Der Hut brennt in Österreichs Wirtschaft https://www.ifwk.net/der-hut-brennt-in-oesterreichs-wirtschaft/ Mon, 24 Nov 2025 09:08:51 +0000 https://www.ifwk.net/?p=2256 Fehlt die strategische Abstimmung zwischen Finanz- und IT-Bereich, stocken Digitalisierung, Innovation und Investitionen und das Land fällt weiter zurück Wien, 24. Nov. 2025. – Ein...

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Fehlt die strategische Abstimmung zwischen Finanz- und IT-Bereich, stocken Digitalisierung, Innovation und Investitionen und das Land fällt weiter zurück

Wien, 24. Nov. 2025. – Ein Thema, das Österreichs Innovationskraft und viele Unternehmen hemmt und im internationalen Vergleich zurückfallen lässt, ist in Wahrheit ein Kommunikationsproblem: Nämlich die Schwierigkeiten im Verständnis zwischen den Finanz- und IT-Verantwortlichen. Dieser seit Jahrzehnten bekannten Problematik nahm sich das Internationale Forum für Wirtschaftskommunikation an. IFWK-Gründer Rudolf J. Melzer lud sowohl CFOs sowie Finanzexperten als auch CIOs und IT-Experten zum Dialog, denn „Der Hut brennt in Österreichs Wirtschaft.“

v.l. Peter Lieber, Roman Oberauer, Isabella Mader, Nora Lawender, Thomas Zapf, Rudolf J. Melzer®vogus
v.l. Peter Lieber, Roman Oberauer, Isabella Mader, Nora Lawender, Thomas Zapf, Rudolf J. Melzer ®vogus; Abdruck honorarfrei

Die Vorständin von Excellence Research, Isabella Mader, zitierte in ihrer Funktion als IFWK-Vizepräsidentin eine globale Gartner-Studie, wonach 70 Prozent der CIOs und CFOs mit ihrer beruflichen Beziehung unzufrieden sind; und das bereits seit über 45 Jahren. Frei nach Conchita stellte sie die Frage in den Raum: „Was dauert da eigentlich so lange?“

ÖGV-Präsident und Softwareunternehmer Peter Lieber schnitt das Grundproblem scharf an: „Ich tue mir schwer mit dem Begriff IT, weil IT für mich bedeutet, dass die Leute Softwareinnovation eigentlich per Definition verhindern müssen“, sagte er. Die IT müsse „beschützen, bewahren und verhindern, dass Bedrohungen hereinkommen“, während neue Software „per se ein Risiko“ sei. Innovation und Sicherheit stünden damit systemisch im Konflikt. Lieber forderte dafür bewusst getrennte Teams: jene für stabile, geschützte Infrastruktur und jene für Innovation.

Für eine bessere Verständigung brauche es eine klare gemeinsame Basis: „Wir müssen wissen, wofür wir überhaupt investieren“, betonte Lieber. Dazu gehöre ein sauberes Unternehmensarchitektur-Management, das in vielen Industriebetrieben noch völlig fehle. Nur wenn Business, IT und Finanz ein gemeinsames Verständnis ihrer Wertschöpfung hätten, könne man Entscheidungen jenseits persönlicher Vorlieben treffen.

Verbund Digital Power Geschäftsführer Thomas Zapf ergänzte, dass IT-Abteilungen traditionell zu sehr von Herstellern getrieben seien. „Wir haben, um das Business-Verständnis zu stärken eine Abteilung Business-Engagement eingeführt, damit wir wirklich erkennen, was einen Mehrwert bringt.“ Für ihn ist Kommunikation dabei direkt an Empathie gebunden. „Wir in der Technik müssen lernen, besser zuzuhören und die Anforderungen des Geschäfts zu erkennen und nicht nur technisch umzusetzen.“

T-Systems CFO Nora Lawender hob die Perspektive der Finanz hervor: Kurzfristige Kostenzwänge führten oft dazu, aus reinem Budgetdruck mit großen, internationalen Cloudanbietern zu gehen, selbst wenn langfristig europäische Alternativen sinnvoller wären. „Am Ende weiß niemand, wie die Kostenentwicklung sein wird – Zölle, geopolitische Risiken, selektiv eingestellte Services internationaler Hyperscaler usw.“ Da brauche es vor allem Transparenz zwischen IT und Finanz und ein gemeinsames Verständnis, was kurzfristig nötig und langfristig sinnvoll sei.

Hypes und Trends: Zwischen Effizienz und Innovation
Der Automatisierungs- und Transformations-Experte Roman Oberauer brachte dazu eine klare Struktur ins Spiel: Hypes und Trends sind seiner Meinung nach zu trennen. „Ein Hype ist etwas Taktisches, auf das ich reagiere. Ein Trend ist strategisch.“ KI sei für ihn „nach wie vor in der Hype-Phase“, während Industrie-4.0-Versprechen wie Automatisierung und Datenprodukte langfristig belastbare Trends seien. Unternehmen müssten sich bei Investitionen an den Trends orientieren und die Risiken so strukturieren, dass sie für die Finanzabteilung bewertbar werden. „Ich kann als CIO nicht garantieren, dass ein Dreijahresplan aufgeht, aber ich kann sagen, ob wir in den ersten drei Monaten auf dem richtigen Weg sind.“ Isabella Mader pflichtet dem bei und betonte: „Das moderne Paradigma von IT-Strategie etabliert Informationstechnologie nicht nur als reinen Kostenfaktor, sondern als strategische Investition.“

Nora Lawender bestätigte diese Notwendigkeit von Agilität und Flexibilität. „Wir müssen schnell reagieren, Geschäftsmodelle anpassen und in kleinen Schritten automatisieren.“ Gerade bei überlasteten Teams sei es wichtiger denn je, „die kleinen Dinge zu ändern, die im Alltag wirklich etwas bringen“.

Über Projektrisiken und „Melonenprojekte“
Thomas Zapf erläuterte, wie wichtig ein ehrlicher Umgang mit Projektrisiken ist. „Wir nennen das Melonenprojekte: von außen grün, innen rot.“ Diese Kultur, Fehler nicht sichtbar machen zu wollen, sei einer der größten Saboteure erfolgreicher Digitalisierungsinitiativen. Transparenz und Nachbetrachtungen gehörten daher zwingend zu jedem Projekt als fachliche und als vertrauensbildende Maßnahme.

Peter Lieber brachte es so auf den Punkt: Organisationen müssten zuerst klären, was ihre wirkliche Wertschöpfung ist. „Viele bleiben in der Vergangenheitsblase und machen Dinge weiter, weil sie sie immer schon so gemacht haben.“ Sobald klar sei, welche Fähigkeiten strategisch relevant seien, ließen sich Nachhaltigkeit, KI oder Automatisierung sinnvoll einordnen.

Ebenso wichtig – darin waren sich die Diskutanten einig – ist ein strukturiertes Risikomanagement von Unternehmen. Kleinere Pilotierungen reduzieren das Investitionsrisiko, schaffen Transparenz und ermöglichen frühzeitige Kurskorrekturen. Erfolgreiche Projekte verfügen außerdem über klare Nachbetrachtungen, in denen Ergebnisse, Abweichungen und Lernerfahrungen systematisch dokumentiert werden, um Vertrauen zwischen den Bereichen zu stärken und künftige Projekte fundierter aufzusetzen. Schließlich gelingt Transformation am besten durch die Kombination aus starken internen Teams, die das Geschäft und die Prozesse kennen, und externen Spezialisten, die Methoden, Struktur und Erfahrung aus vergleichbaren Projekten einbringen.

„Bei größeren Digitalisierungsprojekten sind CFOs als wesentlicher Bestandteil der Projektsteuerung immer stark vertreten und in vielen Fällen sogar die Projekt-Sponsoren“, weiß auch Robert Resch, Business Development Manager SCC EDV-Beratung, aus der Praxis zu berichten. Als Beispiel nennt er die SAP S/4HANA-Einführung bei der APA – Austria Presseagentur, bei der CFO Doris Pokorny eine wesentliche Schlüsselrolle gespielt hat. Er klärt auch, warum es sinnvoll ist, bei singulären Projekten externe Expertise dazu zu holen: „Sie machen eine SAP S/4HANA-Umstellung einmal, wir machen sie 15-mal pro Jahr.“

Rege Diskussion
An der Diskussion rund um steigenden Innovationsbedarf bei gleichzeitig sinkenden Budgets beteiligten sich weiters der selbstständige Finanzmarktexperte Peter Brezinschek,  Gabriele Schallegger, Senior Vice President Finance bei Wienerberger, der Head of Transformation and Process Optimization (TPO) bei der PORR AG, Reinhold Pfeifer, SCC-Vorstand Dietmar Teissl, MediNexis-Geschäftsführer Markus Gstöttner, die Geschäftsführerin des Controller Instituts, Rita Niedermayr, Marte Fjelland von RHI Magnesita sowie die CFO von Wolf Theiss, Nadja Huber. Bei Sekt von Peter Szigeti diskutierten des Weiteren: SHEconomy-Herausgeberin Michael Ernst, die Anwältin Stefanie Lugger, Stefanie Koch, Kleine Zeitung Wien, Gabriela Maria Straka von respACT, die Unternehmensberater Robert Bodenstein und Erik W. Eder, Anwalt Wilhelm Milchrahm sowie Karl Koczurek, Direktor bei der Österreichischen Beamtenversicherung.

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Finanzwissen ist keine Geheimwissenschaft https://www.ifwk.net/finanzwissen-ist-keine-geheimwissenschaft/ Wed, 17 Sep 2025 08:05:06 +0000 https://www.ifwk.net/?p=2198 Wie Medien die Menschen fit für die Wirtschaftswelt machen können – und welche Rolle dabei TikTok und Instagram spielenWien, 17. Sept. 2025. – Einerseits gibt...

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Wie Medien die Menschen fit für die Wirtschaftswelt machen können – und welche Rolle dabei TikTok und Instagram spielen

Wien, 17. Sept. 2025. – Einerseits gibt es weniger Wirtschaftstitel in der Medienlandschaft, Wirtschaftsredaktionen werden „ausgedünnt“ und Wirtschaftssendungen an den „Tagesrand“ geschoben, andererseits ermöglichen Online-Medien wie z.B. Instagram, Youtube oder TikTok völlig neue Zugänge, ökonomische Zusammenhänge zu erklären: Wie steht es also tatsächlich um die Wirtschafts- und Finanzbildung in der Bevölkerung? Um diese Frage zu beantworten, lud der Gründer des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK), Rudolf J. Melzer, zu einer Podiumsdiskussion mit Erste Bank CEO Gerda Holzinger-Burgstaller, Medienberater Hans Mahr, Börsechef Christoph Boschan, ORF-Chefredakteur Johannes Bruckenberger, FACC-Pressesprecher Jakob Reichsöllner-Frischling sowie dem Präsidenten des Finanzmarketingverbandes, Erich Mayer, in das Pressezentrum der APA – Austria Presseagentur.

v.l. Rudolf J. Melzer, Jakob Reichsöllner-Frischling, Maria Scholl, Hans Mahr, Gerda Holzinger-Burgstaller, Christoph Boschan, Hans-Peter Siebenhaar, Erich Mayer, Johannes Bruckenberger (Credit: Melzer PR/Kührer; Abdruck honorarfrei)

Ob die gestiegenen Preise für Lebensmittel, die Sicherung der Pensionen oder eine Deckelung von Mieten – wirtschaftliche Themen dominieren zunehmend auch die politische Debatte. Damit steigt die Bedeutung um das Verständnis finanzieller und wirtschaftlicher Zusammenhänge. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Medien zu. Das Internationale Forum für Wirtschaftskommunikation (www.ifwk.net) nahm sich Anfang der Woche dieses Themas an und erörterte, wie es den Medien gelingen kann, die Lücke zwischen informierten Experten und Laien zu schließen.

Bereits heute beschäftigten sich rund ein Viertel der täglich von der Austria Presse Agentur (APA) ausgesendeten Meldungen mit Wirtschaft, Börse und Finanzen, sagte APA-Chefredakteurin Maria Scholl. Und die Bedeutung von Nachrichten über wirtschaftliche und finanzielle Zusammenhänge werde weiter steigen, ist der Medienmanager und langjährige RTL-Chefredakteur Hans Mahr überzeugt. „Es gibt keine Politik ohne Wirtschaft“, stellte Mahr fest und verweist auf die jüngsten ORF-Sommergespräche mit heimischen Spitzenpolitikern. Wirtschaft sei oftmals eine Querschnittsmaterie, die in die unterschiedlichsten Bereiche hineinspiele.

Ein Problem sei die Tatsache, dass sich Meldungen über Wirtschaft und Finanz oftmals lediglich an einen kleinen Kreis von „Eingeweihten“ richte und somit viele Menschen ausschließe, sagte APA-Chefredakteurin Scholl. Abhilfe schaffen könnten etwa Wirtschaftsnachrichten in einfacher Sprache, mehr Hintergrundberichte oder auch spannende niederschwellige Sendungsformate wie „2 Minuten 2 Millionen“ oder „Höhle der Löwen“, wo Jungunternehmer versuchen, potenzielle Geldgeber von ihren innovativen Geschäftsideen zu überzeugen.

Mahr meinte weiter, die Wirtschaftsberichterstattung habe sich in den vergangenen fünf Jahren massiv verändert. „Der Nachrichtensender ntv bringt heute mehr wirtschaftliche Themen als Politik“. Zugleich sei es immens wichtig, die jüngere Zielgruppe der bis 30-Jährigen mit neuen sozialen Medienkanälen wie TikTok, Twitch oder Instagram abzuholen.

Leichterer Zugang durch Digitalisierung
Das Interesse an solchen Inhalten sei durchaus vorhanden. ORF-Chefredakteur Johannes Bruckenberger verwies darauf, dass Sendungen wie das TV-Wirtschaftsmagazin „Eco“ am Donnerstagabend beachtliche Einschaltquoten erreichen würden.

Keine Berührungsängste mit modernen Medien wie TikTok habe die Wiener Börse, unterstrich Börse-Chef Christoph Boschan. „Wir tun das und haben eine große Freude damit“ – trotz der 250 Jahre alten Geschichte des Hauses.

Erste-Bank-Chefin Gerda Holzinger-Burgstaller sieht große Fortschritte in der Digitalisierung, die leichten Zugang zu Information und Beteiligung am Finanzgeschehen ermögliche. Es gäbe aber noch deutlichen Handlungsbedarf, um Bildungslücken zu schließen. In repräsentativen Umfragen erklärten die Befragten, sich generell nicht oder nur wenig für finanzielle Themen zu interessieren. Das trifft im noch größeren Ausmaß auf Frauen als auf Männer zu. Und jeder zweite Jugendliche fühlt sich nach eigenen Angaben „nicht gut vorbereitet“ für wichtige eigene finanzielle Entscheidungen.

Wie ertragreich eine Veranlagung am Kapitalmarkt sein kann, veranschaulichte Holzinger-Burgstaller, die auch als „Spartenvertreterin Bank und Versicherung“ in der WKO tätig ist, anhand einer Studie: Demnach hätte eine Veranlagung von 1000 Euro am Sparbuch über 18 Jahre rund 300 Euro Ertrag gebracht. Bei einem Investment in Aktien hätte sich das Anfangskapital auf das Fünf- bis Siebenfache erhöht. „Wir müssen die Leute abholen weg von der Ideologie zurück zu Zahlen, Daten und Fakten.“

Auch die österreichische Industrie nutzt moderne Medien, um Informationen zu teilen und Wirtschaftswissen weiterzugeben. So hat das Luftfahrtunternehmen FACC mit seinen Headquarters in Oberösterreich eine eigene Smartphone-App („FACC Space App“) entwickelt. Damit können alle Mitarbeiter auf Knopfdruck auf aktuelle Zahlen und Entwicklungen im Unternehmen zugreifen, sagte FACC-Sprecher Jakob Reichsöllner-Frischling.

Nicht auf Schule beschränken
Finanz- und Wirtschaftsbildung dürfe sich nicht nur auf die Schule beschränken, betonte Erich Mayer, Präsident des Finanz-Marketing-Verbands Österreich (FMVÖ). Das im internationalen Vergleich geringe Wissen und Interesse erkläre sich auch aus einer grundsätzlichen Skepsis im Land, wonach Engagement in Aktien fälschlicherweise oft als spekulativ dargestellt worden sei.

Börse-Chef Boschan ergänzt, dass es auf lange Sicht keine ertragreichere Veranlagungsform als Aktien gebe. „Wenn man langfristig an das Wachstum der Wirtschaft glaubt, dann führt an Investitionen in Aktien kein Weg vorbei.“

Risikokapital fehlt
Um das Finanzwissen der Menschen sei es in Österreich gar nicht so schlecht bestellt. Was in Österreich aber gegenüber Ländern wie den USA oder Skandinavien fehle, sei das Risikokapital und die Bereitschaft, Geld in vielversprechende Projekte zu investieren. „Junge Unternehmer schauen zum Teil als erstes auf staatliche Förderungen, dabei braucht es Aktienkapital zur Innovations- und Unternehmensfinanzierung“, so Börse-CEO Christoph Boschan.

Lebhafte Diskussion
Unter der Moderation von Hans-Peter Siebenhaar, Mitglied der Chefredaktion von Focus Money, München, diskutierten im Anschluss unter anderem der Finanzmarktanalyst Peter Brezinschek, APA-CFO und IFWK-Vizepräsidentin Doris Pokorny, Martha Salaquarda von VERBUND Energie4Business,der General Manager von Bossard Aerospace, Kai von Buddenbrock, Marlene Hanschitz-Halikias von Grant Thornton, der Anwalt Wilhelm Milchrahm, Karl Koczurek von der Österreichischen Beamtenversicherung ÖBV, respACT-Vorständin Gabriela- Maria Straka, die Corporate Communications Spezialistinnen Susanna Janovsky und Waltraud Kaserer sowie der Leadership-Trainer und Transformations-Experte Roman Oberauer.

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Energietransformation braucht bessere Kommunikation https://www.ifwk.net/energietransformation-braucht-bessere-kommunikation/ Thu, 13 Mar 2025 08:33:21 +0000 https://www.ifwk.net/?p=1986 Politik und Beamtenschaft verstehen technische Zusammenhänge oft nicht; Europa muss in der Energieversorgung rasch autark werden

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Politik und Beamtenschaft verstehen technische Zusammenhänge oft nicht
Europa muss in der Energieversorgung rasch autark werden

Dass zur Umsetzung von Elektromobilität und der Einbindung alternativer Stromhersteller wie Photovoltaik- oder Windparks europaweit enorme Investitionen in Infrastruktur und Speichermöglichkeiten notwendig sind, ist der technischen Fachwelt schon seit vielen Jahren klar. Bei den dafür notwendigen politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen hapert es aber nach wie vor: Wie in einer Enquete, zu der der Gründer des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK), Rudolf J. Melzer, anlässlich des 15-jährigen Bestandsjubiläums dieser unabhängigen Wissens- und Dialogplattform einlud, klargestellt wurde, fehlt es in den gesetzgebenden Körperschaften zum Teil an Fachexpertise, die Kommunikation zwischen Politik und Wirtschaft muss intensiviert und verbessert werden!

Der Investitionsbedarf in die Energie-Infrastruktur wird für Österreich aktuell auf rund 160 Milliarden, in Deutschland auf rund 1,6 Billionen Euro geschätzt. Soweit so klar. Was wie und wann finanziert und umgesetzt wird, steht allerdings nach wie vor auf wackeligen Beinen. Aber: „Sobald die Politik das Thema ernsthaft unterstützt, geht auch etwas weiter“, berichtet Siegfried Nagl, ehemaliger Energie-Sonderbeauftragter der WKO, über seine Erfahrungen bei der Erstellung des „Masterplans Energie für Österreich“. Dafür müssten die entsprechenden Körperschaften ausreichend Fachpersonal haben und der Dialog gefördert werden. Seiner Einschätzung nach dürfte der Geothermie vor allem in den Städten künftig ein höherer Stellenwert zukommen. Damit die Industrie die notwendigen langfristigen Investitionen tätigen könne, sei zum Beispiel die Berechenbarkeit von Förderungen notwendig, appellierte er an die neue Bundesregierung.

Dass es gar nicht immer um Förderungen, sondern vor allem um klare und verlässliche Regelungen geht, verortete auch Michael Sponring, Leiter des Bereiches Power & Utilities bei PwC Österreich: „Die Energiewende wird gelingen. Was es dafür braucht, sind vernünftige Rahmenbedingungen, die möglichst technologieoffen formuliert werden müssen. Förderungen mit der Gießkanne in einem rundum sorglosen Paket zu verteilen ist hier nicht zielführend und wird den Wirtschaftsstandort nicht stärken. Eines der wichtigsten Instrumente für eine erfolgreiche Energiewende sind günstige Finanzierungsmöglichkeiten, die das Mammut-Investitionsprogramm erst möglich machen.“

Bezüglich der Umsetzung der Energiewende in der Industrie müsse man auf´s Tempo drücken, meinte der Geschäftsführer der VERBUND Energy4Business GmbH, Martin Wagner: „Starten statt Warten! Die Zeit für Taten ist jetzt! Das Regierungsprogramm bietet vielversprechende Ansätze für eine zukunftssichere und leistbare Energieversorgung. Es ist entscheidend, dass wir die geplanten energiepolitischen Gesetzesvorhaben, wie die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und das längst überfällige Elektrizitätswirtschaftsgesetz, schnell umsetzen. Diese Schritte sind unerlässlich, um die Dekarbonisierung und Elektrifizierung, insbesondere in der energieintensiven Industrie, rasch und planungssicher voranzutreiben.“

Industrie kann bis zu 20 Prozent Energiekosten sparen – Energie ein Asset
Die Planungssicherheit für Unternehmen ist für Gabriela Maria Straka, Chefredakteurin bei MANZ, Vorstandsmitglied bei respACT, Österreichischer Wirtschaftsrat für nachhaltige Entwicklung, und Österreichs Innovatorin der UN Weltklimakonferenz, ebenfalls ein großes Anliegen; die Rechts- und Planungssicherheit für alle Unternehmen gilt für sie als Leitmaxime für die Omnibus-Regulierung, und die erforderliche Kommunikation: „Wir brauchen eine authentisch ehrliche und klare Kommunikation, um alle Menschen in Österreich mitzunehmen!“

Mit ihrem Unternehmen nista.io hilft CEO Anna Pölzl Industriebtrieben, bis zu 20 Prozent ihrer Energiekosten einzusparen. Sie sieht durch Investitionen in die Energietransformation keinen Wohlstandsverlust: „Sie müssen sich überlegen, was es unseren nachfolgenden Generationen bzw. die Volkswirtschaft kosten würde, wenn wir die notwendigen Investitionen heute nicht tätigen. Energiekosten spielten früher eher eine untergeordnete Rolle, heute muss in einem Unternehmen Energie wie ein Asset gemanagt werden!“

Energie des Sommers für den Winter – Wende im Mindset
Angesichts der aktuellen geopolitischen Entwicklungen in und um Europa, stimmte der Gründer des IFWK und Kommunikationsexperte, Rudolf J. Melzer, mit den Expertinnen und Experten am Panel überein, dass es sehr wichtig sei, Europa in Sachen Energieversorgung so autark wie möglich zu machen. Bei Wasserkraft sei Österreich mit seinen Speicherkraftwerken seit jeher gut aufgestellt. Biogas beziehungsweise Biomethan, aber auch Wasserstoff wären geeignet, um die Energie des Sommers für den Winter zu speichern. Dafür müsste aber in größeren Dimensionen gedacht, die Konkurrenzfähigkeit dieser Energiequellen gestärkt und die Kommunikation zwischen Industrie, Wirtschaft bzw. Landwirtschaft, Energieversorgern und Politik aktiviert werden: „Die Energiewende ist nicht nur bei Strom und Gas notwendig, sondern auch im Mindset.“ (Melzer)

Beim Networking im PwC-Tower mit Sekt von Peter Szigeti diskutierten des Weiteren: APA CFO Doris Pokorny, Patrizia Valentini, Head of Mobilize bei Renault Österreich, deepsearch-Gründer Roland Fleischhacker, Walter Böhme vom Österreichischen Verband für Kraftfahrzeugtechnik (ÖVK), Sigmar Mielacher von Hamburger Containerboard, Marte Fjelland (RHI Magnesita), PwC-Partner Dieter Harreiter, Markus Schermann (BRP-Rotax), der neue Geschäftsführer von SAP Österreich, Andreas J. Wagner, Klaus Schmid (Amberon Consulting), Stefan Zierlinger (BE Technology GmbH), Stefanie Koch (Kleine Zeitung), Robert Haider (VIG) „Co-Pilotin“ Beatrix Czipetits, sowie die Anwälte Wilhelm Milchrahm und Martin Stadlmann.

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Wirtschaftsjournalisten – eine aussterbende Spezies? https://www.ifwk.net/wirtschaftsjournalisten-eine-aussterbende-spezies/ Wed, 11 Sep 2024 09:19:13 +0000 https://www.ifwk.net/?p=1917 IFWK präsentierte erste Auszüge aus ÖAW-Journalismus-Studie, wonach sich Wirtschafts-berichterstattung weg von Faktenorientierung hin zu „interpretativem Journalismus“ wandelt

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IFWK präsentierte erste Auszüge aus ÖAW-Journalismus-Studie, wonach sich Wirtschafts-berichterstattung weg von Faktenorientierung hin zu „interpretativem Journalismus“ wandelt

Wien, 11. Sept. 2024 (IFWK). – Zwar wollen die meisten Leute ihr Erspartes möglichst gewinnbringend anlegen, für wirtschaftliche Zusammenhänge, wie sie von Wirtschaftsjournalisten tagtäglich aufbereitet werden, interessieren sich aber eher weniger Menschen. Wirtschaftswissen sei Mangelware, quer durch alle Alters- und Berufsgruppen, von der Schuldirektorin bis zum Bundeskanzler. So eine der Schlussfolgerungen der Enquete „Wie mächtig ist der Wirtschaftsjournalismus?“ des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK), in deren Rahmen erste Auszüge der Studie „Worlds of Journalism“ der Österreichischen Akademie der Wissenschaften für Österreich, Deutschland und die Schweiz präsentiert wurden.

Laut der soeben fertiggestellten weltweiten Studie „Worlds of Journalism“ prägt in Österreich ein verändertes Verständnis der Bevölkerung die Arbeit der Wirtschaftsjournalistinnen und
-journalisten: „Das Publikum geht weg von der reinen Faktenorientierung und so zeigt sich auch ein Wandel im Wirtschaftsjournalismus vom objektiven Faktenjournalismus hin zu einem interpretativen, aber auf Transparenz bedachten Journalismus“, hob Prof. Josef Seethaler, Abteilungsleiter des Instituts für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), einen zentralen Aspekt hervor. Außerdem nehme die Bekämpfung von Desinformation auch in den Wirtschaftsressorts mittlerweile eine große Rolle ein. Nachgelassen hätten hingegen interventionistische Ansichten, welche aktiv Einfluss auf Öffentlichkeit und Politik ausüben möchten.

Das Thema „Macht von Journalisten“ aus dem Blickwinkel einer Top-Managerin beleuchtete Silvia Kaupa-Götzl, langjährige Vorständin der Österreichischen Postbus AG, davor Prokuristin bei den ÖBB: „Ich habe bei den ÖBB gelernt, dass wichtige Entscheidungen gemeinsam mit der Kommunikations- und PR-Abteilung transparent und nachvollziehbar aufbereitet werden müssen“, bestätigt sie das in der Studie erwähnte verstärkte Verlangen der Bevölkerung nach Transparenz im Journalismus. Schlimm finde sie allerdings, wenn Geheiminformationen aus Sitzungen plötzlich in Medien auftauchen oder Verhandlungspartner wie z.B. ein Betriebsrat mit einem „Gang zu den Medien“ drohten.

Naturgemäß sehen das die Vertreterinnen und Vertreter der Medien etwas anders: „Meine Aufgabe als Journalistin ist es, hinter die Kulissen zu schauen und Dinge rauszukriegen“, betonte die Doyenne des österreichischen Wirtschaftsjournalismus, Hedi Schneid.

Warum wurde der Kanzler nie zur Verantwortung gezogen?
Ihre Kollegin aus der Wirtschaftsredaktion der „Presse“, Madlen Stottmeyer, konstatierte, dass sie sowie ihre Kolleginnen und Kollegen des kritischen Finanz- und Wirtschaftsjournalismus einer „aussterbenden Berufsgruppe“ angehörten. Anhand von Beispielen wie Wirecard, Signa oder dem „STRABAG/Deripaska-Deal“ skizzierte die vielfach ausgezeichnete Redakteurin, was Journalismus leisten kann, beziehungsweise könnte: In Sachen Signa verwies sie darauf, dass Olaf Scholz damals Chef der BaFin war und zuvor Hamburger Bürgermeister, als der Elbtower-Deal unterzeichnet wurde: „Da stellt sich die Frage, warum er nie zur Verantwortung gezogen wurde und immer noch Bundeskanzler ist?“

Macht und Ohnmacht der Journalisten
Genau auf dieses Wechselspiel zwischen Macht und Ohnmacht eines Journalisten bzw. einer Journalistin, ging Hans-Peter Siebenhaar ein: Als langjähriger Redakteur des Handelsblattes, Konzernsprecher der OMV und nun in der Chefredaktion von Focus Money tätig, sagte er: „Die Eigenwahrnehmung ist laut der vorliegenden Studie, dass sie gar nicht so viel Macht haben. Aber natürlich haben sie Macht und die ist umso größer, je börsennotierter ein Unternehmen ist.“ – Schließlich werde der Aktienkurs als Gradmesser eines Unternehmens durch Nachrichten positiv oder negativ beeinflusst und stehe somit auch laufend im Fokus der Unternehmens-kommunikation. „Umso kleiner so ein börsennotiertes Unternehmen von seiner Markt-kapitalisierung her ist, umso anfälliger ist es natürlich auch gegenüber der Berichterstattung und der Analyse, die von den Medien kommt.“

Warum keine Börsenberichterstattung in ZiB2?
Zur Situation in Österreich meinte er, dass es traurig sei, dass das Wirtschaftsblatt eingestellt wurde: „Eine Volkswirtschaft im Herzen Europas verdient eine eigene Wirtschaftszeitung liberaler Art, die nah an den Unternehmen ist. Ich bedauere auch, dass der ORF als einer der ganz wenigen öffentlichen Rundfunkanstalten keine Börsenberichterstattung am Abend, also z.B. in der ansonsten journalistisch gut gemachten ZiB2 hat. Ökonomisch autarker Journalismus wäre gut für die Öffentlichkeit, das dient auch zur Ökonomisierung von Denken und Handeln.“

Auf die im Vergleich zu den Redaktionen viel stärker besetzten Kommunikationsabteilungen der Unternehmen ging Waltraud Kaserer ein. Sie arbeitete nicht nur im Bankenbereich und direkt an der Börse, sondern auch als Journalistin beim „Standard“, der „WELT am SONNTAG“ und baute die Seite von „manger-magazin.de“ sowie „ftd.de“ auf, sondern war auch als Kommunikationschefin in der Politik sowie bei börsennotierten Unternehmen wie der Lenzing AG tätig. „Für das Ungleichgewicht zwischen großen Kommunikationsabteilungen und Redaktionen, das Wirtschaftsjournalisten beklagen, sind die vielen Social-Media-Kanäle verantwortlich. Die Unternehmen stehen dort einem riesigen Bereich an unregulierten Absendern gegenüber, der rund um die Uhr ohne Gatekeeper, wie es die Journalisten in klassischen Medien sind, posten. Und wenn ein Shitstorm erst losgetreten ist, ist es wahnsinnig schwierig, ihn wieder einzufangen.“ Die klassischen Medien haben zu vielen Zielgruppen ihren Zugang und ihre Deutungshoheit verloren, die Macht der Wirtschaftsjournalisten ist zwar nach wie vor groß, aber nur mehr in einem Teil der Medienkonsumenten.

It´s the economy, stupid!
Auf ein Paradoxon wies Prof. Josef Herget, Direktor des Excellence Instituts, in der Diskussion hin: „Mantra-artig wird nach jeder Wahl, etwa gerade auch nach den deutschen Wahlen in Sachsen und Thüringen, Bill Clinton zitiert „It´s the economy, stupid!“, dennoch kommt der Verknüpfung von Politik und ihren ökonomischen Konsequenzen für das Alltagsleben in der Berichterstattung  kaum eine relevante Bedeutung zu. Madlen Stottmeyer stützte dieses Argument, indem sie darauf hinwies, dass etwa Politiker-Interviews hauptsächlich von Innenpolitik-Redakteuren durchgeführt werden und die ökonomischen Aspekte schlicht unter den Tisch fallen würden.

Finanz-Bildung ein zentrales Thema
Einen zentralen Raum der Enquete im Wiener Raiffeisenhaus, zu der IFWK-Gründer Rudolf J. Melzer Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medien einlud, nahm die in weiten Teilen der Bevölkerung fehlende Finanzbildung ein: „16-jährige Lehrlinge haben oft keine Ahnung, wie sich die auf ihrem Gehaltszettel ausgewiesenen Sozialversicherungsbeiträge zusammensetzen, von Themen wie Zinsen oder Zinsdeckel gar nicht zu reden“, gab Karl Koczurek, Landesdirektor der Österreichischen Beamtenversicherung (ÖBV) zu bedenken. An der von sheconomy-Herausgeberin Michaela Ernst geleiteten Diskussion nahmen unter anderem Teil: Die Finanz-Chefin der APA – Austria Presseagentur sowie Geschäftsführerin der Gentics Software GmbH, Doris Pokorny, Susanna Janovsky, Head of Corporate Communications bei DORDA, Klaus Schmid, Geschäftsführer von Amberon Consulting sowie des Bundesverbandes Elektromobilität (BVe), der Anwalt Michael Borsky und der CFO von Hamburger Containerboard, Sigmar Mielacher.

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Entwarnung bei neuer EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung https://www.ifwk.net/entwarnung-bei-neuer-eu-nachhaltigkeitsberichterstattung/ Thu, 04 Jul 2024 10:38:01 +0000 https://www.ifwk.net/?p=1852 Die „EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung“ (CSRD) sollte bis 6. Juli 2024 in nationales Recht gegossen sein.

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IFWK zeigte pragmatische Wege der Umsetzung sowie Möglichkeiten
der einfacheren Administrierbarkeit auf

Wien, 4. Juli 2024, IFWK. – Die „EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung“ (CSRD) sollte bis 6. Juli 2024 in nationales Recht gegossen sein. Sie schreibt Unternehmen u.a. vor, die Nachhaltigkeitsberichte ab sofort im Lagebericht des jeweiligen Geschäftsberichts zu veröffentlichen, was einen bürokratischen Mehraufwand und zusätzliche Verantwortung für Geschäftsführung, Aufsichtsrat sowie Unternehmenskommunikation bedeutet. Das Internationale Forum für Wirtschaftskommunikation (IFWK) diskutierte Grundlagen von Reporting und Prüfung, Erfahrungen aus einem konkreten Anwendungsfall und geeignete Software-Unterstützung des Reportings.

Marlene Halikias, Partnerin bei Grant Thornton in Österreich, verwies gleich zu Beginn darauf, dass es im Ermessen jedes einzelnen Unternehmens liege, tatsächlich wesentliche Themen zu identifizieren und damit zu definieren, welche Datenpunkte gemessen werden. Sie empfahl, „die Themen in der Wesentlichkeitsanalyse möglichst gering zu halten“.

Diese von den „Europäischen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung“ (ESRS) vorgegebene Wesentlichkeitsanalyse sei eine doppelte, so Halikias im Pressezentrum der APA – Austria Presse Agentur in Wien: „Man sieht sich einerseits finanzielle Wesentlichkeiten an, also welche finanziellen Effekte gibt es? Und man sieht sich andererseits die Auswirkungen einer Produktion oder Dienstleistung auf die Umwelt an; zum Beispiel Grundwasser, Bodenversiegelung oder ähnliches.“

1.200 Datenpunkte im Auge haben
Neu ist, dass all diese Angaben von einem Wirtschaftsprüfer geprüft werden und diese Informationen künftig standardmäßig einem Berichtsformat zugeordnet werden müssen. Hierfür ist aber bereits Software-Unterstützung verfügbar, die automatisiert Daten einspielen und dem „händischen“ Führen von Reportings z.B. in Excel klar überlegen ist, wie Michael Ingerisch, Associate Partner bei IBM Consulting, erläuterte: „Je nach Umsatzgröße müssen Unternehmen bis zu 1.200 Datenpunkte für das Reporting berücksichtigen. Dabei kommen verschiedene Datentypen zum Einsatz. Unsere Software Envizi bietet hier eine effiziente Lösung, indem sie diese Daten strukturiert und somit einen besseren Überblick über das Unternehmen sowie die Grundlage für Innovationen schafft. Die Plattform hat den Vorteil, weit über die Möglichkeiten von herkömmlichen Programmen hinauszugehen und unterstützt Unternehmen dabei, sich den neuen Reporting-Standards anzupassen.“

Richtlinie noch nicht österreichisches Recht
Ingerisch merkt jedoch an, dass die CSRD-Richtlinie bisher noch nicht in österreichisches Recht umgesetzt wurde, weshalb in vielen Management-Etagen gezögert werde, sich technisch auf die neuen Standards vorzubereiten. Trotz dieser Herausforderung betont er, dass Envizi neben dem Fokus auf Reporting auch einen Mehrwert für Unternehmen bietet. „Durch verschiedene Module, wie beispielsweise die Szenarienanalyse, ermöglicht unsere Lösung einerseits die Verbesserung der Nachhaltigkeit aufgrund verschiedener Managementhandlungen und bietet andererseits die Möglichkeit, die eigenen Handlungen im Sinne von Kosteneinsparungen zu bewerten. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, über den reinen Reporting-Aspekt hinauszudenken und die Vorteile der Plattform für das gesamte Unternehmen zu nutzen.“

Einheitliche Plattform wäre wichtig
Einblicke in die Praxis gewährte der Leiter der Nachhaltigkeitsberichterstattung der APA und Vorstandsreferent, Bernhard Sonntag: Vom oft mühsamen Ausfüllen von Fragebögen bis zur Schwierigkeit, dem Thema „Management-Attention“ zu verleihen, gäbe es durchaus auch praktische Vorteile wie zum Beispiel, dass man die CO2-Bilanz einzelner Produkte errechnen könne oder auch eine bessere Basis für Förderanträge und Ausschreibungen zur Verfügung habe. Zur Vereinfachung des alljährlichen „Datensammelns“ wünscht er sich die baldige Realisierung einer einheitlichen EU-Online-Plattform für die Einmeldung der Daten, den sogenannten European Single Access Point (ESAP).

Die in der Geschäftsleitung für die Nachhaltigkeitsberichterstattung Verantwortliche sowie CFO der APA, Doris Pokorny, ergänzte, dass nach ihrer Erfahrung von Unternehmen manchmal der Fehler gemacht werde, eine zu große Anzahl von reportingpflichtigen Themen zu identifizieren: „Die Beschränkung dieser wesentlichen Themen sowie Datenpunkte und KPIs auf eine überschaubare Anzahl ist entscheidend für eine erfolgreiche Implementierung. Es geht bei diesem Reporting zwar um die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen und KPIs, aber es müssen keine Maßnahmen zur Prozessverbesserung unmittelbar ergriffen werden“, stellt sie klar, dass auch bei CSRD nichts so heiß gegessen wie gekocht wird.

Chancen für Unternehmen
Trotz der Herausforderungen bietet die CSRD eine Reihe von Chancen für Unternehmen: Durch die Erfüllung der CSRD-Anforderungen können Unternehmen ihr Image verbessern und die Attraktivität für Investoren, Kunden und Mitarbeiter steigern. Die CSRD hilft zudem, Nachhaltigkeitsrisiken zu identifizieren und zu managen, und fördert die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsaspekten, was zu Innovationen führen kann. Um die Herausforderungen der CSRD zu bewältigen, sollten Unternehmen frühzeitig mit der Umsetzung beginnen und sich bei Bedarf professionelle Unterstützung holen. „Jene, die Herausforderungen von der Pflicht zur Kür machen, gewinnen auch im Business“, ist Isabella Mader, Vorstand von Excellence Research sowie IFWK-Vizepräsidentin, überzeugt. Sie zitierte unter anderem aus ihrem neuesten Buch „Digitalisierung & KI strategisch einsetzen“ über ein Dutzend Compliance-Regularien, die von EU-Unternehmen berücksichtigt werden müssen.

Diskussion rund um Kreislaufwirtschaft
Im Rahmen der Diskussion, die von Gabriela Straka, Vorstandsmitglied bei RespACT, moderiert wurde, kam zum Ausdruck, dass die Entwicklung einer CSR-Strategie eine Grundlage für effektive Kommunikation bildet. Unternehmen sollten messbare Ziele und Kennzahlen für ihre Nachhaltigkeitsleistungen festlegen und regelmäßig über ihre Fortschritte bei der Erreichung ihrer CSR-Ziele auch größer berichten. Der Dialog mit Stakeholdern sei dabei essenziell, ebenso wie die Nutzung geeigneter Kommunikationskanäle, um die Nachhaltigkeitsleistungen der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Gäste aus Wirtschaft und Wissenschaft
Zu weiteren Fragen wie Kreislaufwirtschaft oder branchenspezifischen Benchmarks diskutierten unter anderem aus dem IFWK-Vorstand: ESG-Expertin Waltraud Kaserer sowie Amberon-Geschäftsführer Klaus Schmid; aus der Wirtschaft: NTT Austria CEO Roman Oberauer, der Kommunikationsverantwortliche von DS Smith, Hagen Burkert, Verena Treiber von Mediamarkt, Georg Lemmerer von Schelhammer Capital, Martina Kukulka von Austrian Power Grid (APG), Ludwig Steinbauer, PORR, ÖGNI-Geschäftsführer Peter Engert sowie Ferdinand Schütz und Stefan Neubauer von der Kathrein Privatbank.

Aus dem Bereich der Wissenschaften konnte IFWK-Gründer Rudolf J. Melzer unter anderem begrüßen: Victoria Kaiselgruber, Professorin an der FH Hagenberg, sowie die Autoren des neuen Buches „Strategisches Management der Nachhaltigkeit“ (Springer), Professor Josef Herget und Robert Bodenstein, Präsident der internationalen Consulting-Organisation ICMCI.

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NIS2 Cybersicherheit: Handschellen oder Notwendigkeit? https://www.ifwk.net/nis2-cybersicherheit-handschellen-oder-notwendigkeit/ Thu, 14 Mar 2024 09:23:56 +0000 https://www.ifwk.net/?p=1823 Gesetzesnovelle als Chance für Unternehmen, um Security in reguliertem Umfeld zu optimieren

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Gesetzesnovelle als Chance für Unternehmen, um Security in reguliertem Umfeld zu optimieren

Die EU-Direktive „NIS2“ (Network and Information Systems Security) schreibt strenge Maßnahmen zur Gewährleistung der Cybersicherheit vor und muss in Österreich bis Oktober 2024 von 9.000 großen Firmen und vielen Mittelständlern umgesetzt werden. Die rasche und professionelle Umsetzung der notwendigen Sicherheitsmaßnahmen standen im Mittelpunkt eines Erfahrungsaustausches, zu dem das Internationale Forum für Wirtschaftskommunikation (IFWK) Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, IT-Industrie und Verwaltung einlud: „Mit NIS2 werden sich viele Unternehmerinnen und Unternehmer intensiv beschäftigen müssen“, waren sich SAP-Österreich-Geschäftsführerin Christina Wilfinger sowie IFWK-Gründer Rudolf J. Melzer schon bei der Begrüßung einig.

Auf die provokante Frage der IT-Strategin, Universitätslektorin und Moderatorin des Abends, Isabella Mader, ob die Novelle Unternehmen in Handschellen lege, antwortete KPMG-Partner Robert Lamprecht, der auch in der Vorsitzführung der Arbeitsgruppe für die NIS2-Risikomanagementmaßnahmen tätig ist: „Führungskräfte haben es selbst in der Hand, sich mit Cybersicherheitsmaßnahmen in einem regulierten Umfeld oder mit den schmerzhaften Folgen von Cyberattacken bei Versäumnissen auseinanderzusetzen.“ Er plädiert dafür, Cybersicherheit nicht nur als technische Aufgabe zu betrachten, sondern auch organisatorische Faktoren und den Menschen im Mittelpunkt einzubeziehen.

Tausende österreichische Unternehmen betroffen – Führungskräfte persönlich haftbar

In Österreich gilt aktuell das NIS-Gesetz aus dem Jahr 2016, das Anforderungen an die Cybersicherheit in gesellschaftlich wichtigen Bereichen spezifiziert. Mit NIS2 wird die Zahl der betroffenen Unternehmen kräftig erweitert – es betrifft 3.000 bis 9.000 große Firmen und den Mittelstand. Darunter fallen sowohl wesentliche (u.a. Unternehmen im Trinkwasserbereich und Energielieferanten) als auch wichtige (u.a. aus dem Lebensmittelsektor) Unternehmen. Für sie gelten künftig ein verpflichtendes Risikomanagement und Meldevorschriften bei Sicherheitsvorfällen. Viele Betroffene dürften sich der Tragweite noch nicht bewusst sein, obwohl bei Vergehen Strafen von bis zu zehn Millionen Euro oder zwei Prozent des Konzernumsatzes drohen – für die Führungskräfte auch persönlich haftbar gemacht werden können.

NIS2 auch für Partnerfirmen und Lieferanten relevant

Laut einer aktuellen Studie von KPMG gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum Sicheres Österreich haben sich Cyberangriffe zuletzt innerhalb von zwölf Monaten mehr als verdreifacht. 12 % der in der Studie befragten heimischen Unternehmen hatten bei Sicherheitsvorfällen Schäden von mehr als eine Million Euro verzeichnet, mehr als die Hälfte Schäden von mindestens 100.000 Euro. Dabei wird meist die am schwächsten abgesicherte Firma in Lieferketten betroffen – daher sei NIS2 auch für die Partner und Lieferanten der großen Unternehmen relevant. „Risiken, die andere eingehen, sind auch meine Risiken“, spricht Lamprecht von einer neuen Verantwortung in einer stark vernetzten Wirtschaft.

Gefahr durch geopolitische Eskalationen

Philipp Töbich verantwortet mit seinem Team Sicherheitsthemen bei SAPin Europa und international – und steht damit im Rampenlicht der Weltwirtschaft. SAP-Kunden generieren 87 Prozent des globalen Handelsvolumens. „Das Thema der Netz- und Informationssicherheit gibt es nicht erst seit gestern“, berichtet der Experte von fünfzigjähriger Erfahrung des Softwareherstellers mit dem Schutz von Daten. Töbich betrachtet die NIS2 grundsätzlich positiv. Gerade größere Unternehmen hätten bereits enorme Ressourcen in die Sicherheit gesteckt. Jetzt sei es wichtig, eine möglichst harmonische Gesetzgebung in Europa und deren Umsetzung in der Breite zu erreichen.  – Denn die Gefahren sind mit den geopolitischen Eskalationen in jüngster Zeit nicht weniger geworden. „Aktuelle Ereignisse – von denen viele dachten, sie seien so gar nicht mehr möglich – verdeutlichen mit voller Härte die enorme Bedeutung von Sicherheit und die Notwendigkeit angemessener Schutzmaßnahmen. Eines ist ganz klar:  Cybersecurity ist entscheidend: denn unsere Wirtschaft ist in Gefahr, jederzeit zum Angriffsziel zu werden“, spitzt Töbich zu. Mit der digitalen Transformation werde es für Unternehmen immer wichtiger, ein hohes Sicherheitsniveau zu halten.

„Incident Response“-Strategie als Notfallplan

Martin Krumböck, T-Systems International, ortet Abwehrmaßnahmen als einen besonders wichtigen Teil in der Themenbreite von IT-Sicherheit. „Auch ‚Incident Management‘ bekommt mit den Meldepflichten und -fristen eine neue Bedeutung“, weiß der Fachmann, der als CTO im Bereich Cyber Security bei dem IT-Dienstleister tätig ist. Auch der beste Schutz könne überwunden werden, daher sollten Angriffe auf die eigene Infrastruktur rasch erkannt werden können. Hatte die Zeitspanne vom ersten Eindringen bis zu einem Datendiebstahl früher oft Tage und Wochen betragen, werden kombinierte Angriffe mit Ransomware-Verschlüsselungen heute innerhalb von wenigen Stunden vollzogen. Deshalb sind stets auch Notfallpläne wichtig – in einer „Incident Response“-Strategie werden Ansprechpartner und Prozesse für den Fall eines Angriffs festgelegt. Würde man sich darüber erst bei einem Vorfall Gedanken machen, sei es zu spät. Für Krumböck ist es wichtig, sich auch einzugestehen, dass etwas passieren kann. „Wie reagiere ich darauf? Wie halte ich Meldepflichten ein, um auch den Kollateralschaden einer Pönale abzuwenden?“

Entscheidungsträger würden letztlich aus zwei Gründen in IT-Sicherheit investierten: für die Resilienz für den Fortbestand eines Unternehmens und aus Compliance-Gründen, getrieben von den Anforderungen Dritter – Eigentümern, Kunden, Partnern oder dem Gesetzgeber.

Unabhängiger Nachweis wäre wichtig

Gerald Schremser, CISO bei der Prinzhorn Gruppe, lieferte einen Einblick in die Praxis und wünscht sich auch künftig die Möglichkeit der eigenen Gestaltung von IT-Sicherheit. Er prüft mit seinem Team mit Gap-Analysen den Status-quo und Umsetzungsmöglichkeiten bei Sicherheitsthemen. Offen ist für den CISO die Frage, wie bei den Berichtspflichten künftig mit zu erwarteten gehäuften Anfragen in der Lieferkette umgegangen wird. Es würden jedes Jahr hunderte Anfragen zu Sicherheitsbelangen drohen. „Hier würde ich mir einen unabhängigen Nachweis der Erfüllung der Pflichten nach NIS2 wünschen, den unsere Partner für ihre Meldungen an die Behörde nutzen können“, erklärt Schremser.

Bei der von der Herausgeberin des Wirtschaftsmagazins xbn.news Isabella Mader moderierten abschließenden Diskussion beteiligten sich unter anderem RHI-Magnesita-Digitalisierungsexpertin Marte Fjelland, die CFO der Austria Presseagentur APA sowie Geschäftsführerin der Gentics Software GmbH, Doris Pokorny, NTT Ltd. Country Manager Roman Oberauer, Nachhaltigkeits- und Digitalisierungsexpertin Waltraud Kaserer, Jan Reller, Head of Strategic IT-Management der voestalpine High Performance Metals GmbH, Thomas Tauzimsky, Head of IT-Infrastructure bei der Lenzing AG, Gerald Kührer von win2day sowie Wolfgang Müller, stv. Magistratsdirektor der Stadt Wien, und die neue Werbeleiterin der Kleinen Zeitung, Stefanie Koch.

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Babyboomer versus Generation Z https://www.ifwk.net/nicht-die-jugend-sondern-das-unternehmen-muss-sich-anpassen/ Wed, 27 Sep 2023 07:51:39 +0000 https://www.ifwk.net/?p=1677 IFWK-Fishbowl zu Performance-Kultur und Strategien, wie der Generation-Gap zu meistern sei

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IFWK-„Fishbowl“: Nicht die Jugend, sondern das Unternehmen muss sich anpassen

Babyboomer versus Generation Z: Viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, optimale Arbeitsbedingungen für grundunterschiedliche Generationen zu schaffen, um gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden und langfristig halten zu können. Fakt ist, die Jugend, also die Generation Z, tickt anders als die älteren Kolleginnen und Kollegen. Das heißt aber keinesfalls, dass die „Jungen“ nur faul herumsitzen und nicht arbeiten wollen. Vor diesem Hintergrund lud IFWK-Gründer Rudolf J. Melzer zu einem Dialog verschiedener Generationen, bei dem unter anderem festgehalten wurde: „Es ist eher die Aufgabe der Arbeitgeber, sich an die Bedürfnisse junger Fachkräfte anzupassen, als umgekehrt.“

„Was macht die Generation Z anders? Man kann jedenfalls sagen, dass es sich um die ‚Generation unverbindlich‘ handelt. Egal, ob es um eine Verabredung oder um einen neuen Job geht; – jede Entscheidung ist eigentlich nur ein Zwischenstand“, erklärte Jörg Spreitzer, Geschäftsführer von Great Place to Work, in der Skybar des Wiener UNIQA-Towers. „Wir als Arbeitgeber sind nun gefordert, darauf richtig zu reagieren: Sei es bei dem Wunsch, auf 20 Stunden zu reduzieren, weil nebenbei doch noch weiterstudiert werden will oder dem Wunsch nach mehr Homeoffice-Zeiten. Fakt ist auch, dass keine Generation davor so selbstbewusst war, fast schon radikal, wie sie auf sich aufmerksam machen. Da steht ein Purpose dahinter.“

Absolute Flexibilität und einen sinnstiftenden Job

Wenn man es als Unternehmen schaffe, die Bedürfnisse nach mehr Flexibilität anzuerkennen, auf sie einzugehen und zusätzlich noch sinnstiftende Tätigkeiten für junge und auch ältere Mitarbeitende schafft, könne man langfristig gute Leute halten, so der Experte weiter, dessen Unternehmen jährlich Befragungen zu Arbeitsumfeldern durchführt. „Während die Generation X noch dafür arbeitet, um zu leben, sieht die Generation Z Arbeit und Leben als Prozess.“

Nur loben hilft nicht weiter

Petra Umbrich, Head of Group Finance bei der Uniqa Insurance Group, sprach im Rahmen der „Fishbowl“-Diskussion über ihre Erfahrungen als Führungskraft mit der Gen Z: „Auffallend ist, dass die junge Generation sofort und unmittelbares Feedback zu ihrer Leistung haben will und dass das keinesfalls nur Lob sein soll. Denn die Jungen wollen lernen und sich weiterentwickeln. Wer es als Führungskraft schafft, offen und transparent mit seinem Team zu kommunizieren, kann sehr erfolgreich sein.“ Den Wunsch nach maximaler Flexibilität könne man aber nicht in allen Phasen und Jobs erfüllen, so Umbrich weiter: „Wenn man von Anfang an – und das beginnt bereits beim Jobinterview – klar kommuniziert, in welchen Phasen des Geschäftsjahres beispielsweise flexible Arbeitszeiten möglich sind und in welchen nicht, zum Beispiel in der Finanz beim Jahresabschluss, sind die Erwartungshaltungen klar abgesteckt und die Bedürfnisse können dementsprechend angepasst werden.“

Jobs den Talenten anpassen

Roman Oberauer, Country Managing Director von NTT Ltd. in Österreich ergänzte aus seiner Sicht als Führungskraft: „Als Arbeitgeber muss ich mich fragen, was jede und jeder in 24 Stunden leisten kann. Ich muss also auch das gesamte Umfeld der Person miteinbeziehen. Familie und Gesundheit gehen immer vor und abhängig von den Lebensumständen ist Leistung sehr individuell.“ Künftig müsse man sich fragen, wie sinnvoll es ist, offene Stellen eins zu eins nachzubesetzen oder ob es nicht klüger wäre, die Jobs den jeweiligen Fähigkeiten oder Talenten der neuen Person anzupassen und Aufgaben anders zu verteilen, so Oberauer weiter: „Das ist für uns natürlich mehr Führungsarbeit, weil man viel individueller auf diese Leistungskriterien eingehen muss. Wenn das gelingt, kann man ein gutes Arbeitsumfeld für alle Generationen schaffen.“

High Performance heißt auch Opfer bringen

Berufliche (Höchst-)Leistungen und jene im Spitzensport seien im Hinblick auf Flexibilität und Freiraum nicht allzu unterschiedlich, legte Alisa Buchinger, Karate-Weltmeisterin und mehrfache Europameisterin, in ihrem Statement dar: „Wenn ich Leistung erbringen möchte, muss mir klar sein, dass ich auf gewisses verzichten muss. Ich kann dann nicht beispielsweise am Vortag eines wichtigen Termins, egal ob sportlich oder beruflich, feiern gehen. Opfer bringen ist nicht immer super und auch ich merke, dass viele Junge dazu nicht mehr bereit sind. Die Frage ist dann, ob man seine Ziele auf einem anderen Weg erreichen kann.“

Leistung könne nur dann erbracht werden, wenn man bereit sei, sich Herausforderungen zu stellen und über sich hinauszuwachsen, ergänzte Meli Colloseus, Jus-Studierende, ehemalige Schauspielerin und Gastronomin: „Man denkt oft, man habe seine Grenzen schon erreicht, dabei unterschätzt man sich eigentlich. Es ist so wichtig, mutig zu sein und sich stetig verbessern zu wollen. Es ist eine Frage des Mindsets, zu erkennen, dass viel mehr in mir schlummert, als ich mir vielleicht aktuell zutraue. Wenn diese Leistung dann vom Arbeitgeber wertgeschätzt und auch honoriert wird, ist man auch bereit, noch weiterzugehen und mehr Energie zu investieren.“

Begriff Work-Life-Balance wird falsch verwendet

Miriam Fend, Media Consultant bei der Melzer PR Group betonte, dass der oft strapazierte Begriff der geforderten Work-Life-Balance falsch verwendet werde: „Der Begriff impliziert eigentlich, dass Arbeit kein Teil vom Leben ist. Wir als junge Generation wollen arbeiten, aber Arbeit muss Sinn ergeben und auch Spaß machen; und das in einer guten Unternehmenskultur. Für mich trifft es das Wort ‚Vereinbarkeit‘ viel mehr, denn wenn ich Arbeit gut in mein Leben integrieren kann und gerne hingehe, kann ich auch gute Leistungen erbringen und Erfolge erzielen.“

Dysfunktionale Kommunikation hindert Erfolg

„Eine offene Feedbackkultur ist mir und auch meinen gleichaltrigen Kolleginnen und Kollegen sehr wichtig und das ist es auch, was uns letztendlich im Unternehmen hält“, so Fend weiter. „Wir sind nicht bereit, dysfunktionale Kommunikation zu akzeptieren und wollen gehört werden. Wenn das nicht gegeben ist, kann uns auch kein gutes Gehalt dauerhaft halten.“

En Qiang Zhou, Leiter der Produktentwicklung bei Gentics Software, ergänzte: „Ich bin selber Generation Z und Führungskraft und merke jetzt, wie wichtig es ist, gut zuzuhören und auf die jeweiligen Bedürfnisse einzugehen. Gleichzeitig muss darauf geachtet werden, wie die individuellen Wünsche nach Flexibilität und Arbeitszeit mit den Werten und Zielen des Unternehmens vereinbar sind.“

Anpassungsfähigkeit als Muss für Unternehmen

Für Unternehmen sei es heute noch viel wichtiger, sich den stetig wandelnden Umständen des Marktes anzupassen, sagte Maike Topp, Participation and Cash Managerin bei der Uniqa Insurance Group: „In einer Zeit, in der sich alles permanent im Wandel befindet und ständig neue Technologien entwickelt werden, können Unternehmen nur überleben, wenn sie fähig sind, sich den aktuellen Gegebenheiten anzupassen.“ Genauso wichtig sei es aber eben auch, dass sich die aktuelle Führungsgeneration an die Bedürfnisse der Jungen anpasst. Isabella Mader, Vorstand von Excellence Research, dazu: „Weiterentwicklung der Führungsfähigkeiten ist jetzt besonders wichtig. Denn die jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kommen wegen des Unternehmens und gehen oft wieder wegen der Führungskraft. Hier gilt es, Führungskräfte gezielt zu entwickeln. Denn Führen ist eine Fähigkeit, die man lernen muss.“

Angeregte Diskussion

Unter der Moderation von Michael Köttritsch, Leiter der Karriereredaktion der Tageszeitung „Die Presse“, diskutierten unter anderem die Leiterin der Unternehmenskommunikation der Salzburger Aluminium Gruppe, Andrea Pfennigbauer, die Finanzchefin der APA – Austria Presse Agentur, Doris Pokorny, deepsearch-CEO Roland Fleischhacker, der Anwalt Wilhelm Milchrahm, evoila-CEO Jürgen Horak, Hamburger Containerboard-CFO Sigmar Mielacher und Amberon-Chef Klaus Schmid weitere Aspekte der Performance-Kultur in verschiedenen Branchen und Unternehmen wie zum Beispiel performanceorientierte Bezahlung oder generationenverbindende Weiterbildung.

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ChatGPT: Ein gutes Instrument für Desinfomation? https://www.ifwk.net/chatgpt-ein-gutes-instrument-fuer-desinfomation/ Wed, 17 May 2023 08:49:46 +0000 https://www.ifwk.net/?p=1613 IFWK-Talk zu Grenzen und Chancen der generative AI und warum es dringend notwendig ist, die KI-Kompetenz in der Bevölkerung zu fördern Binnen kürzester Zeit hat...

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IFWK-Talk zu Grenzen und Chancen der generative AI und warum es dringend notwendig ist, die KI-Kompetenz in der Bevölkerung zu fördern

Binnen kürzester Zeit hat der ChatGPT-Hype fast alle Bereiche des Lebens erfasst und viele neue Unsicherheiten und Chancen mit sich gebracht. Wie vertrauenswürdig ist die Information, die ChatGPT ausspuckt und wo liegen Potenziale für Unternehmen, Medien oder auch für unser Bildungssystem? Der Gründer des Internationalen Forums für Wirtschafts-kommunikation (IFWK), Rudolf J. Melzer, lud dieser Tage Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Medien, Schule, Juristerei und Wirtschaft zum Talk rund um künstliche Intelligenz und Vertrauen ein.

„ChatGPT ist kein Recherchewerkzeug“, betonte Verena Krawarik, Leiterin der Stabsstelle Innovationsmanagement und des medialab der APA – Austria Presse Agentur, in ihrer Keynote: „Während Experimente beim Vereinfachen und Zusammenfassen von Texten gute Ergebnisse zeigen, ist ChatGPT – entgegen der noch weit verbreiteten Meinung – nicht imstande, Wissen zu generieren. Wir haben ChatGPT anhand vieler Fallbeispiele getestet“. Krawarik warnte zudem vor einem enormen Fakenews-Potenzial, wenn Informationen ungeprüft weiterverwendet werden, „und gerade, wenn es um Copyright geht, stehen wir noch ganz am Anfang der Debatte.“ Um gewissenhaft und sinnvoll mit der Software umgehen zu können, brauche es neue Kompetenzen, aber auch Guidelines für den ethischen Umgang, so Krawarik; und hier sei neben den Unternehmen selbst vor allem auch das Bildungssystem gefordert, neue Technologien wie ChatGPT aktiv in den Unterricht einzubauen.

Fragt Matura noch die richtigen Kompetenzen ab?

Der Umgang mit Falschinformationen wird auch in den Schulen und Hochschulen mehr und mehr zum Thema. Bundesschulsprecherin Flora Schmudermayr sieht hier noch großes Verbesserungspotenzial mit neuen Technologien: „Gut ist, dass im neuen Fach ‚Digitale Grundausbildung‘ nicht mehr nur das Zehn-Finger-System gelehrt wird, sondern eben auch das Erkennen von Fake News und wie Quellen richtig verwendet werden. Es ist unumgänglich, ChatGPT im Unterricht einzubauen und vor allem, sich als Lehrkraft bewusst zu werden, wie ich Angaben schreiben muss, damit eine Aufgabe eben nicht mit ChatGPT gelöst werden kann. Es braucht also Kompetenzen von Schülern UND Lehrern.“  Das Programm hat erst kürzlich die Zentralmatura bestanden. Schmudermayr: „Da stell ich schon die Frage, ob unsere Matura noch die richtigen Kompetenzen abfragt.“

Bester Faktencheck sitzt zwischen den Ohren

„Im Idealfall unterrichtet man an Schulen und Hochschulen Methoden und nicht nur Auswendiglernen“, ergänzte Isabella Mader, Vorstand von Excellence Research, Informationswissenschaftlerin und Lehrende für IT-Strategie an der FH Hagenberg. „Denn diese Methoden sind die Basis für Berufe von morgen, die es momentan noch gar nicht gibt. Wir dürfen nicht den Fehler machen, zu glauben, dass uns künstliche Intelligenz oder Technologie Jobs wegnimmt. Richtig eingesetzt, kann es Wissensarbeit massiv entlasten. Gerade bei Quellenangaben arbeitet das Programm noch nicht ausreichend gut: Der beste Faktencheck sitzt immer noch zwischen unseren Ohren.“

Künstliche Intelligenz wird den Menschen nicht entmachten

Grundsätzlich müsse man bei der Diskussion zwischen dem Produkt ChatGPT und der zugrundeliegenden Technologie, den Large Language Models, unterscheiden, erklärte Marcus Hudec, CEO von Data Technology: „Die Large Language Models haben einen großen Wert für die Wissenschaft, sie haben aber kein Wissen. Wenn es gelingt, Systeme der Wissensverwaltung und
-speicherung mit Large Language Models näher zusammenzubringen, dann erleben wir den nächsten Quantensprung. Derzeit sind die Systeme wirklich dumm und führen eher zu Halbwissen.“ Die Technologie sei aber sehr relevant für die Wissenschaft und es sei klar, dass wir uns intensiv damit auseinandersetzen müssen, um die Technologie intelligent zu nutzen: „Künstliche Intelligenz wird Menschen nicht entmachten, aber klug genutzt kann sie uns künftig entlasten.“

Ein Drittel der ChatGPT-Informationen ist falsch
Roland Fleischhacker
, CEO von deepsearch, ergänzte: „Es ist wichtig, zu wissen, dass momentan ein Drittel der Informationen, die ChatGPT ausspuckt, falsch ist. Wenn man die Software aber mit konkretem Wissen füttert, zum Beispiel mit Informationen zu einem Unternehmen, kann es gute Texte und präzise Antworten liefern. Und das ist schon ein Quantensprung für viele Unternehmensprozesse, nämlich das Wissen aus langen Texten mit konkreten Fragen und Antworten zusammenzuführen.“ Derzeit liege die Gefahr bei ChatGPT im unverarbeiteten Content, auf den ChatGPT zurückgreift, also zum Beispiel von Chatforen oder Plattformen, die nicht redaktionell bearbeitet werden.

Die Moderatorin des Abends, Wirtschaftsjournalistin Michaela Ernst, stellte daraufhin die Frage, ob ChatGPT demnach ein gutes Instrument für Desinformation sei?

Isabella Mader: „Wir leben in einer Zeit, in der alle klagen, keine Zeit mehr zu haben und überarbeitet zu sein. Wir werden uns helfen lassen müssen. Die Frage ist, wofür wir die Systeme einsetzen. Sinnvoll ist es, wenn das System bei der Textierung hilft und so der Belegschaft Zeit spart. Entscheidend ist die Befähigung der Gesellschaft, mit der Technologie umzugehen. Verbote bringen gar nichts und werfen uns nur um Jahrzehnte zurück. Und diese Zeit werden Cyberkriminelle nutzen.“

KI kann nicht Urheber sein

Ein wesentlicher Aspekt zum Thema ChatGPT ist außerdem die rechtliche Perspektive. „Laut Gesetz ist der Urheber eine natürliche Person. Dem folgend kann eine KI nicht Urheber sein“, erklärte Alexandra Ciarnau, Wirtschaftsanwältin und Co-Leiterin der Digital Industries Group bei DORDA. „Wenn die KI nur meine Befehle ausübt, dann gehören die Resultate mir. Das ist eine spannende Abgrenzungsfrage. Denn wie viel Anweisungen muss ich der KI geben, damit es mein Werk ist?“ Spannend werde es beim Thema Haftbarkeit. Ciarnau: „Künstliche Intelligenz ist noch lange keine juristische Person, sie ist ein Werkzeug. Wer ist also für Schäden verantwortlich, die durch KI entstehen? Zum Beispiel ist Diskriminierung, die durch einen Chatbot entstanden ist, schwer nachweisbar. Künftig wird man hier sehr viel in Security und die Umsetzung der neuen Anforderungen nach dem AI Act investieren müssen.“

Angeregte Diskussion

Weitere Aspekte der künstlichen Intelligenz wie die gesunde Balance zwischen Datenschutz und Innovation, ethische Bedenken oder Fragen der Resilienz diskutierten in der Folge die CFO der Austria Presseagentur und Geschäftsführerin von Gentics Software, Doris Pokorny, Phoenix Contact-Österreich-Geschäftsführer Thomas Lutzky, der Geschäftsführer des Horizont-Verlages, Markus Gstöttner, Marlene Halikias, Partnerin bei Grant Thornton, Hermann Obermair von der Andritz AG, Anwältin Huberta Gheneff, die IFWK-Mitglieder Silvia d´Orazio und Susanna Janovsky sowie der Generalsekretär der Handelskammer Schweiz, Österreich und Liechtenstein, Urs Weber und die neu bestellte Geschäftsführerin des Wissenschaftlichen Senats des Public Relations Verbandes Austria, Gerlinde Layr-Gizycki.

Der Beitrag ChatGPT: Ein gutes Instrument für Desinfomation? erschien zuerst auf IFWK.

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