Das IFWK untersuchte die Erfolgsfaktoren für internationale Karrieren. Der eigene Auslandsaufenthalt
ist dafür nicht unbedingt Voraussetzung, Fingerspitzengefühl aber sehr wohl.

Wien, 6. Mai 2026, IFWK. – Internationale Karrieren haben große Bedeutung in einem stark auf den Außenhandel fokussierten Land wie Österreich, gerade auch in Zeiten massiver geopolitischer Veränderungen. Ob man dafür ins Ausland geht oder aus Österreich Verantwortung für Organisationen in anderen Ländern übernimmt: Viele Anforderungen sind allen grenzüberschreitenden Berufskarrieren gemeinsam. In jedem Fall mitzubringen sind Neugier und Flexibilität, lautet eine Erkenntnis aus einem Expertengespräch zum Thema „Internationale Karrieren und Einfluss“, zu dem der Gründer des Internationalen Forums für Wirtschaftskommunikation (IFWK), Rudolf J. Melzer, kürzlich in Wien einlud. Auch der Humor darf dabei nicht zu kurz kommen.

Offenheit und Neugier sind wesentliche Voraussetzungen für eine internationale Laufbahn. Darüber hinaus brauche es aber auch noch Konfliktfähigkeit – und die Fähigkeit, Kompromisse einzugehen, sagt Roman Oberauer. Er ist Executive Partner Manager bei Huawei Austria und war davor als Österreich-Geschäftsführer des japanischen Konzerns NTT Ltd tätig. Aus seiner Sicht unentbehrlich sei „auch Mut zur Lücke, denn man weiß nicht immer alles“.

Eine weitere wichtige Eigenschaft ist für die Henkel-Managerin Marlene Hoelsken die Fähigkeit, auch unter Beschäftigten an mehreren Standorten ein Gefühl der Zugehörigkeit zu erzeugen. „Das muss man als Teamleiter sehr aktiv betreiben, etwa durch coffee chats oder persönliche Gespräche“, die etwa mit Videoschaltungen auch über große Distanzen hinweg geführt werden könnten. Hoelsken ist Head of R&D EU Country Amplification & PSRA bei Henkel Consumer Brands.

Anita Gradwohl von der auf Luxusinterieur spezialisierten und weltweit tätigen Firma F/List unterstreicht die große Bedeutung von Flexibilität für internationale Führungspositionen. Das gilt nicht nur für die Person selbst, auch das private Umfeld müsse mitspielen. „Familienfeiern richten sich nach Dienstreisen“, sagt Gradwohl. Sie betreut seit 20 Jahren Kunden in aller Welt, vor allem in Nord- und Südamerika, Asien und dem Nahen Osten. Das Portfolio der F/List Group umfasst luxuriöse Innenausstattungslösungen für Geschäfts- und Privatjets, die kommerzielle Luftfahrt sowie exklusive Wohnresidenzen.

Nicht zu vergessen sei die Rolle des Humors, ergänzt Christoph Strnadl, der technische Leiter (CTO) der europäischen Dateninfrastruktur-Initiative Gaia-X, der davor für einen großen deutschen Software-Konzern tätig war. Das umfasse im besten Fall eine gewisse Fehlertoleranz – auch sich selbst gegenüber, sagt Strnadl, „also die Bereitschaft über sich selbst zu lachen“. Humor könne ein Mittel sein, Spannungen abzubauen und einen gemeinsamen Teamgeist herzustellen. Dazu brauche es aber auch viel Feingefühl, denn nicht alle Kulturen hätten denselben Humor.

Gute Kontakte als Sprungbrett

Eine internationale Tätigkeit allein ist freilich noch kein Garant für eine internationale Karriere. Um sie zum Sprungbrett für die weitere Laufbahn werden zu lassen, seien vor allem gute Kontakte nötig, also ein gut gepflegtes berufliches Netzwerk, unterstreicht Julia Högendörfer. Sie blickt auf neun Jahre Marketing für IBM und Mercer in Dubai zurück. Heute verantwortet sie die Bereiche Digitale Transformation und E-Commerce bei Sport 2000. Eine besondere Herausforderung sei das Aufrechterhalten solcher Kontakte über Ländergrenzen hinweg, ergänzt Henkel-Managerin Hoelsken. Die Beteiligung an internationalen Projekten sei eine Methode, um im Konzern sichtbar zu bleiben.

Welche Rolle kommt Österreich bei internationalen Karrieren zu – als Herkunftsland oder auch als Zielland für ausländische Führungskräfte, will Moderator Michael Köttritsch von der Karriere-Redaktion der „Presse“ wissen. Die Teilnehmer am Talk empfinden die Herkunft aus Österreich mehrheitlich als Vorteil, das Land werde international als strukturiert und organisiert wahrgenommen. Als kleineres Land sei man zudem nicht so exponiert wie etwa Frankreich oder Deutschland.

Die Rolle als Zielland wird differenziert gesehen. Außerhalb der Großstadt Wien könne es schon schwierig werden, geeignetes internationales Top-Personal zu finden. Mitunter auch in Wien selbst, auch wenn die Hauptstadt in internationalen Rankings regelmäßig zu einer der lebenswertesten Städte weltweit gekürt wird.

Achtung vor Wertekolonialismus

Für eine erfolgreiche internationale Karriere sei letztlich eine Vielzahl unternehmerischer wie auch menschlicher Fähigkeiten erforderlich, ist man sich am Podium einig. Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch in anderen Ländern müssten das Gefühl haben, dass sie wahrgenommen und wertgeschätzt würden. Nicht zuletzt erfordere der Umgang mit unterschiedlichen Kulturen viel Fingerspitzengefühl, damit es nicht zu einem „Wertekolonialismus“ komme.

Zu weiteren Aspekten rund um Träume und Realitäten internationaler Karrieren diskutierten in der Henkel-CEE-Zentrale in Wien des Weiteren: Martha Salaquarda von VERBUND Energy 4 Business, die Wirtschaftsanwältin Stefanie Lugger, Sheconomy Co-Founderin Michaela Ernst, IMAVIDA-Geschäftsführer Stefan Siegl, Henkel-CEE-Kommunikationschef Michael Sgiarovello sowie Unternehmensberater Robert Bodenstein und der Geschäftsführer des Sightseeing-Busunternehmens Big Bus, Reinhard Grubhofer.

Rückfragehinweis:
Rudolf J. Melzer, +43 69913225460,
r.melzer@melzer-pr.com